Jakow Michailowitsch Jurowski – Jankel Chaimowitsch Jurowski – Я́ков Миха́йлович Юро́вский – Yakov Mikhailovich Yurovsky

Tomsk Central Railway Terminal

Tomsk Central Railway Terminal (Photo credit: Wikipedia)

Jakow Michailowitsch Jurowski (russisch Я́ков Миха́йлович (Я́нкель Хаи́мович) Юро́вский), ursprünglich Jankel Chaimowitsch Jurowski, (* 7. Junijul./ 19. Juni 1878greg. in Tomsk[1]; † 2. August 1938 in Moskau), war ein Tschekist und sowjetischer Parteifunktionär. Er leitete die Ermordung der Zarenfamilie.

Jankel Chaimowitsch Jurowskis Großvater Itzka Jurowski war Rabbiner in Poltawa, sein Vater Chaim Jurowski wurde wegen Diebstahls nach Sibirien verbannt, wo er als Glaser arbeitete. Seine Mutter Ester Moishewna war Hausnäherin, er selbst das achte von zehn Kindern.

Lenin Square and Epiphany Cathedral in Tomsk, ...

Lenin Square and Epiphany Cathedral in Tomsk, Russia. See also the view from another point (Photo credit: Wikipedia)

Jankel Chaimowitsch Jurowski wuchs in orthodox-jüdischem Umfeld auf und begann die Schule der Synagoge in Tomsk zu besuchen, deren erstes Jahr er aber nicht beendete. Jankel Chaimowitsch Jurowski wurde daraufhin zu einem Uhrmacher gegeben und arbeitete in Tobolsk und Tomsk.

1904 emigrierten zwei Brüder in die USA, Jankel Chaimowitsch Jurowski selbst heiratete in der Synagoge Mane Jankelewoi (Kaganer) und zog nach Jekaterinograd. 1905 wurde er Mitglied der Sozialdemokraten, Bolschewik und Freund Swerdlows.

Im selben Jahr zog Jankel Chaimowitsch Jurowski nach Berlin, wurde Lutheraner und änderte seinen Namen in Jakow Michailowitsch.

Jankel Armouring logo

Jankel Armouring logo (Photo credit: Wikipedia)

1907 nach Jekaterinograd zurückgekehrt, eröffnete Jakow Michailowitsch Jurowski ein Uhrengeschäft. Wegen revolutionärer Umtriebe wurde Jakow Michailowitsch Jurowski inhaftiert, zuerst nach Jekaterinburg verbracht und dann verbannt. An seinem Verbannungsort eröffnete Jakow Michailowitsch Jurowski ein Fotoatelier. Im Ersten Weltkrieg zum medizinischen Assistenten ausgebildet, war Jakow Michailowitsch Jurowski Sanitäter einer Kompanie – an der Front stand er nicht.

In der Sowjetunion

Jakow Jurowski in der Sowjetzeit

English: Vladimir Jurowski conducting the Orch...

English: Vladimir Jurowski conducting the Orchestra of the Age of Enlightenment at London’s Roundhouse (Photo credit: Wikipedia)

1917 wurde Jakow Michailowitsch Jurowski Deputierter eines Sowjet und mit der Oktoberrevolution ein Mitglied der bolschewistischen Militärabteilung von Jekaterinburg, Gerichtsvorsitzender der Ural-Region und deren Kommissar für Justiz sowie Mitglied des regionalen Tscheka der KPR (B).

Am 4. Juli 1918 wurde Jakow Michailowitsch Jurowski Kommandant des Ipatjew-Hauses in Jekaterinburg, in dem die Zarenfamilie arretiert war, und sammelte am selben Tag deren Juwelen ein.

Am folgenden Morgen listete Jakow Michailowitsch Jurowski die Stücke unter Anwesenheit der Familie auf, versiegelte sie in einem Paket und beließ sie auf einem Schreibtisch.

Den Romanows versicherte Jakow Michailowitsch Jurowski, täglich das Siegel zu kontrollieren.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli wurde die Familie im Keller des Hauses umgebracht und am Folgetag fertigte Jakow Michailowitsch Jurowski über die Täter einen kurzen Bericht an Swerdlow.

Revolutionäres Komitee Jekaterinburg
Bericht des sowjetischen Arbeiter- und Soldatenrates
REVOLUTIONÄRER STAB DES RAJON URAL
Außerordentliche Kommission (= Tscheka)              L i s t e 
Kommando zur besonderen Verwendung im Haus Ipatjewa
/ 1. Kamyschower Schützenbrigade /Kommandant:  Horvat          Laons
             Fischer         Anselm
             Sdjelstein      Isidor
             Fekete          Emil
             Nad             Imre
             Grünfeld        Viktor
             Verházi         AndrasReg.Коm.     Waganow         Serge
             Medwjedejew     Pawel
             NikulinStadt.Jekaterinburg 18. Juli 1918    Leiter der Tscheka
                                          Jurowski

Mit dem Rückzug der Roten Armee räumte auch Jakow Michailowitsch Jurowski den Ort, den die Weißgardisten am 25. Juli eroberten. Auf Weisung Koltschaks wurde eine Untersuchung vorgenommen und publiziert. Einer der drei beteiligten russischen Soldaten äußerte sich dabei zum Hergang. Jakow Michailowitsch Jurowski wurde unterdessen am 1. August 1918 Kommissar der Tscheka in Moskau. Als solcher war Jakow Michailowitsch Jurowski zusammen mit Swerdlow an der Vernehmung der (mutmaßlichen) Lenin-Attentäterin Fanny Kaplan beteiligt.

Church in Old Tomsk

Church in Old Tomsk (Photo credit: paukrus)

Ab November 1918 ernannte man Jakow Michailowitsch Jurowski zum Organisator und Verwalter der Oblast Moskau und zum Mitglied des Tscheka-Komitees der Hauptstadt. Im Juni 1919 kehrte Jakow Michailowitsch Jurowski als Tscheka-Vorsitzender zuerst des Bezirkes Wiatka in den Ural und nach der Rückeroberung durch die Roten in gleicher Funktion nach Jekaterinburg zurück.

Am 20. Juli 1920 ließ Jakow Michailowitsch Jurowski ein Magengeschwür in Moskau behandeln. Den Besuch in der Hauptstadt nutzte Jakow Michailowitsch Jurowski am nächsten Tag, um die der Familie Romanow nach ihrer Erschießung zwei Jahre zuvor gestohlenen Juwelen dem Kommandanten des Kreml auszuhändigen.

The Trinity Cathedral,designed by Konstantin T...

The Trinity Cathedral,designed by Konstantin Thon, built as a replica of Moscow’s Christ the Saviour Cathedral, destroyed in the 1930s (Photo credit: Wikipedia)

Jakow Michailowitsch Jurowski blieb in Moskau, wurde Verwaltungsdirektor in der russischen RKI (entsprechend der ostdeutschen ABI), der sozialistischen Kontrollstelle, deren Kommissar zu dieser Zeit Stalin war, und leitete verschiedene Wirtschaftsunternehmungen. 1928 war er zuerst in der Geschäftsleitung, dann Direktor des Staatlichen Polytechnischen Museums. 1933 wurde er gesundheitsbedingt in den Ruhestand entlassen. Das Ende seines Lebens verbrachte Jakow Michailowitsch Jurowski im Kremlhospital. Dort starb er 1938 am Durchbruch eines Magengeschwüres.

Jakow Michailowitsch Jurowski hatte drei Kinder:

  • Rimma (Rebekka) Jakowlewna Jurowskaja (1898–1980): erlangte Bekanntheit durch die Organisierung von Abrissen Orthodoxer Kirchen, 1938–48 inhaftiert in Karaganda;
  • Alexander Jakowlewitsch Jurowski (1904–1986): Marineadmiral, 1952/53 in der Butyrka inhaftiert, mit Stalins Tod entlassen und in den Ruhestand versetzt;
  • Eugen Jakowlewitsch Jurowski (1909–1991): Oberstleutnant der Marine; besaß aus dem Nachlaß seines Vaters ein privates Protokoll über die Umstände des Zarenmordes.
Description: Map of the Jekaterinburg Metro wi...

Description: Map of the Jekaterinburg Metro with german and russian labeling Author: Jcornelius Date: June 22, 2005 License: GFDL (Photo credit: Wikipedia)

Das Ipatjew-Haus selbst entwickelte sich in den 1970er Jahren zur unerwünschten Gedenkstätte von Nationalisten, so daß es der KP-Gebietssekretär Boris Jelzin abreißen ließ.

Einzelnachweise

  1. nach anderen Quellen in Kainsk
  2. Alexandra Feodorowna Tagebucheintrag
  3. Elisabeth Heresch: Nikolaus II. „Feigheit, Lüge und Verrat“. Ullstein, 1994
  4. Imre Nad=Imre Nagy
  5. die sieben ausführenden Soldaten waren überwiegend jüdische Ungarn. Sie sprachen kein Russisch; Jurowski unterhielt sich mit ihnen möglicherweise deutsch. Die Unterstützer dieser These nehmen an, dass das ZK befürchtete, russische Soldaten würden nicht auf den Zaren schießen
  6. Pierre Gilliard: Thirteen Years of the Russian Court. A Personal Record of the Last Years and Death of Czar Nicholas II. and His Family. George H. Doran Co., New York 1921.
  7. http://www.hrono.ru/biograf/bio_yu/yurovsky.html
  8. Biografien und Fotos

Literatur

  • Mark D. Steinberg, Vladimir M. Khrustalev : The Fall of the Romanovs: Political Dreams and Personal Struggles in a Time of Revolution. Yale University Press, 1995
  • Е. Е. Алферьев : Письма Царской Семьи из заточения / Сост. — Джорданвиль: Свято-Троицкий монастырь. (Publ. Holy Trinity Monastery (Jordanville, New York). 1984. (Briefe der Zarenfamilie aus ihrer Haft, russisch)
  • И. О. Плотников:команде убийц царской семьи и ее национальном составе // Урал. — 2003. — № 9. (Iwan Plotnikow: Über das Mörderkommando der Zarenfamilie und ihre nationale Struktur. aus: Literatur- und Kunstmagazin ‚Ural’. Nr. 9. 2003, russisch)
  • Н. А. Соколов: Окружение царской семьи чекистами // Убийство Царской Семьи. 1918. (N.A.Solokow: Mörder der Zarenfamilie//Die Tschekisten im Umfeld der Zarenfamilie. Juristische Untersuchung. 1918. Kap. 15. Russisch)

Weblinks

 Commons: Yakov Mikhailovich Yurovsky – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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