Barbara Honigmann

English: A USSR stamp, Soviet spies: Kim Philb...

English: A USSR stamp, Soviet spies: Kim Philby, 1990. Русский: Марка СССР из выпуска «Советские разведчики»: Ким Филби (1990, Рис. Б. Илюхина, ЦФА №6266). (Photo credit: Wikipedia)

Barbara Honigmann (* 12. Februar 1949 in Berlin) ist eine jüdische Schriftstellerin und Malerin.

Barbara Honigmann ist die Tochter deutsch-jüdischer Emigranten, die das Dritte Reich im britischen Exil überlebten und 1947 nach Ost-Berlin kamen, um am Aufbau eines neuen Deutschland mitzuhelfen. Ihr Vater Georg Honigmann entschied sich aufgrund seiner kommunistischen Überzeugung zur Remigration in die sowjetische Besatzungszone.

Im englischen Exil hatte er die Mutter Barbara Honigmanns, die aus Wien stammende Litzy Kohlmann (unter dem Namen Litzi Friedmann bekannt), geheiratet,

Jüdin Barbara Honigmann

Jüdin Barbara Honigmann

welche in zweiter Ehe mit dem Doppelagenten Kim Philby verheiratet gewesen war.

FENSTER IN OST - BERLIN

FENSTER IN OST – BERLIN (Photo credit: m.joedicke)

Nach ihrem Abitur studierte Barbara Honigmann ab 1967 an der Humboldt-Universität das Fach Theaterwissenschaft, der Abschluss erfolgte 1972. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Dramaturgin und Regisseurin in Brandenburg und an der Volksbühne sowie am Deutschen Theater in Ost-Berlin. Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin.

Nach der Geburt ihres ersten Kindes setzte sie sich verstärkt mit ihrer jüdischen Identität auseinander, trat in die Ost-Berliner Gemeinde ein und heiratete 1981 nach jüdischem Ritus. 1984 reiste sie aus der DDR aus. In ihrem Buch Roman von einem Kinde spricht sie von einem „dreifachen Todessprung ohne Netz: vom Osten in den Westen, von Deutschland nach Frankreich, und aus der Assimilation mitten in das Thora-Judentum hinein“.

Berlin, Germany

Berlin, Germany (Photo credit: OSU Special Collections & Archives)

Seitdem lebt die Autorin mit ihrem Mann, dem Leiter des Heidelberger Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Peter Honigmann, in Straßburg. Barbara Honigmann hat zwei Kinder, Johannes Honigmann (* 1976) und einen weiteren Sohn (* 1983).

Barbara Honigmann ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland. Seit 2007 ist sie korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, seit 2009 korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Volksbühne Berlin

Volksbühne Berlin (Photo credit: Wikipedia)

Barbara Honigmann zählt gemeinsam mit

Deutsch: Berlin, Eingang zur Humboldt Universität

Deutsch: Berlin, Eingang zur Humboldt Universität (Photo credit: Wikipedia)

Ihre Bücher wurden ins Französische, Italienische (Con tanto, tanto affetto Übers. A. Luise. Marsilio, Venezia 2002), Englische, Ungarische (Zohara utazása ISBN 963-9348-90-2), Norwegische, Niederländische, Brasilianische, Dänische und Finnische übersetzt.

Rezeption

English: The Fall of the Berlin Wall, 1989. Th...

English: The Fall of the Berlin Wall, 1989. The photo shows a part of a public photo documentation wall at Former Check Point Charlie, Berlin. The photo documentation is permanently placed in the public. Türkçe: Berlin Duvarı, 1989 sonbaharı (Photo credit: Wikipedia)

Die Jury des Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis, der ihr am 26. Februar 2012 verliehen wurde, begründete die Verleihung damit, daß „Honigmann den Menschen das Judentum auf eine warmherzige Weise näher [brächte] und es aus dem Verborgenen heraus [hole]“ (Irina Wittmer). „Sie zeigt, dass die Macht des Bösen nicht alles zerstören konnte“ , sagt Wittmer, die zudem eine Parallele zur Lebens- und Familiengeschichte von Elisabeth Langgässer sieht, die ebenfalls von den „Irrationalitäten und dem Wahn des 20. Jahrhunderts geprägt“ wurde. Kulturkritiker Thomas Koch, ebenfalls Jurymitglied, lobte den wiederkehrenden Bezug auf Honigmanns Biografie und bezeichnete ihre Werke als „eine schnörkellose, entschlackte, aber dennoch sehr poetische Prosa“.

Reichstag building seen from the west, before ...

Reichstag building seen from the west, before sunset Français : Le Palais du Reichstag coté Ouest avant le coucher de soleil (Photo credit: Wikipedia)

Auszeichnungen

Berlin Wall from Above

Berlin Wall from Above (Photo credit: roger4336)

Werke

  • Das singende springende Löweneckerchen Berlin 1979, Urauff. Bühnen der Stadt Zwickau, 23. November 1980, Regie: Klaus Thewes. Wiederabdruck: Marion Victor (Hrsg) Spielplatz, 3 Verlag der Autoren, Frankfurt, 1990 (S. 125–160), ISBN 3-88661-107-8 (Auch als Schallplatte)
  • Der Schneider von Ulm. Henschel, Berlin 1981 (Mskr.) Hörspiel, Erstsendung 1. April 1982, SR; Theater: Urauff. Frankfurt/M. 22. März 1984, Regie Wolf Vogel, Theater am Turm
  • The University in 1938.

    The University in 1938. (Photo credit: Wikipedia)

    Don Juan (beigefügt zu vorigem Titel, Mskr.) Urauff. Frankfurt/M. 22. März 1984, Regie Wolf Vogel, Theater am Turm

  • Roman von einem Kinde Darmstadt 1986, als TB dtv 2001 ISBN 3-423-12893-3 (Französisch: Le roman d’un enfant Übers. Françoise Doussin, Nicole Costantino, Charles Fichter. Strasbourg 1999) (zuerst als Hörspiel, Erstsendung SR 2. Dezember 1984)
  • Milena Moser, Schriftstellerin

    Milena Moser, Schriftstellerin (Photo credit: krusenstern)

    Eine Liebe aus nichts. Rowohlt, Berlin 1991 ISBN 3-87134-004-9, als TB 1993 ISBN 3-499-13245-1 (Franz.: Un amour fait de rien Übers. Christian Richard, Paris 2001)

  • Soharas Reise. Berlin 1996 ISBN 3-499-22495-X
  • Am Sonntag spielt der Rabbi Fußball. Wunderhorn, Heidelberg 1998. ISBN 3-88423-134-0 (Franz.: Le dimanche le rabbin joue au foot. Übers. Raphaëlle Dedourge, Paris 2001)
  • "stumbling block", Studenten der Hum...

    „stumbling block“, Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, Berlin-Mitte, Deutschland Koordinate: 52°31′5″N 13°23′37″E / °S °W / ; latd>90 (dms format) in latd latm lats longm longs (Photo credit: Wikipedia)

    Damals, dann und danach. Hanser, München 1999. ISBN 3-446-19668-4 (Franz.: Les îles du passé. Übers. Colette Strauss-Hiva, Nîmes 1999)

  • Eine „ganz kleine Literatur“ des Anvertrauens. in: Sinn und Form. 2000, Heft 6, S.830–844. (Poetikvorlesung an der Univ. Tübingen 12. Mai 2000, wieder in: B.H., 2006) über Glückel von Hameln, Anne Frank, Rahel Varnhagen
  • Nazi Germany Road Map (Northwest)

    Nazi Germany Road Map (Northwest) (Photo credit: jczart)

    Alles, alles Liebe! Hanser, München 2000, dtv, München 2003. ISBN 3-423-13135-7. (Franz.: Très affectueusement Übers. Christian Richard, Paris 2001)

  • Das Schiefe, das Ungraziöse, das Unmögliche, das Unstimmige. Rede zur Verleihung des Kleist-Preises. in: Sinn und Form. Berlin 2001, Heft 1, S.31–40. (wieder in: B.H., 2006)
  • Das Gesicht wiederfinden. Rede anläßlich der Verleihung des Jeanette-Schocken-Preises. in: die horen 2001, Heft 2, S.233–236, wieder in: B.H., 2006
  • Ein Kapitel aus meinem Leben. Hanser, München 2004. ISBN 3-446-20531-4 (Franz.: L’agent recruteur Übers. Colette Strauss-Hiva, Paris 2008)
  • Denkmal für die ermordeten Juden Europas

    Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Photo credit: Wolfgang Staudt)

    Das Gesicht wiederfinden. Über Schreiben, Schriftsteller und Judentum. (Essays) Hanser, München 2006. ISBN 3-446-20681-7 (Reihe: Edition Akzente) (u.a. über Albert Cohen, Bertha Pappenheim, und Jeanette Schocken; weitere siehe B.H., 2000 & 2001[5]

  • Blick übers Tal. Zu Fotos von Arnold Zwahlen. (Essay) Edition Spycher im Verlag von Urs Engeler, Basel/Weil am Rhein 2007, ISBN 978-3-938767-38-2
  • Das überirdische Licht – Rückkehr nach New York. Hanser, München 2008, ISBN 978-3-446-23085-9[6]
  • In Memory of Mutti (Hörspiel, Regie: Leonhard Koppelmann) Südwestrundfunk 2009 – Ursendung
  • Deutsch: Humboldt-Universität, Berlin

    Deutsch: Humboldt-Universität, Berlin (Photo credit: Wikipedia)

    Bilder von A. Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-23742-1[7]

Übersetzungen

  • Lew E. Ustinow: Die Holz-Eisenbahn Berlin 1979 (zusammen mit Nelly Drechsler) Kindertheaterstück (russ. Derevjannaja doroga)
  • OST-BERLINER GLEISE

    OST-BERLINER GLEISE (Photo credit: m.joedicke)

    Anna Achmatowa: Vor den Fenstern Frost Berlin 1988 (zusammen mit Fritz Mierau)

Ausstellungskataloge

  • Barbara Honigmann. Bilder und Texte Michael Hasenclever Galerie, München 1992 (darin: Selbstporträt als Jüdin)
  • Barbara Honigmann. Dreizehn Bilder und ein Tag Katalog, München 1997
  • verity susman 26.01.2012 @ ausland, berlin (1)

    verity susman 26.01.2012 @ ausland, berlin (1) (Photo credit: der_triton)

    Barbara Honigmann. Von Namen und Sammlungen München 2002

Literatur

  • Der Eichmann von Kattowitz – Marcel Reich-Ranicki: B.H.s Skizzen und Etüden. in: Marcel Reich-Ranicki: Über Ruhestörer. Juden in der deutschen Literatur. 2. Aufl. dtv, München 1993, S.191–196. ISBN 3-421-06491-1
  • Karen Remmler: En-gendering Bodies of Memory. Tracing the Genealogy of Identity in the Work of Dischereit, B.H. and Dische. in: Reemerging Jewish Culture in Germany. Life and Literatur since 1989. Hrsg. v. S. L. Gilman & K.R. New York, University Press 1994, S.184–209. ISBN 0-8147-3062-0, ISBN 0-8147-3065-5
  • Guy Stern: B. H. in: Literarische Kultur im Exil. Collected Essays on the German-speaking Emigration After 1933 (1989–1997). University Press, Dresden 1998, S.245–251. ISBN 3-931828-05-0
  • Anat Feinberg: Abinding in a Haunted Land. The Issue of „Heimat“ in Contemporary German Jewish Writings. in: New German Critique. University of Wisconsin, Milwaukee 70.1997, S.161–181. ISSN 0094-033X
  • Helene Schruff: Wechselwirkungen. Deutsch-jüdische Identität in erzählender Prosa der „Zweiten Generation“. HASKALA. Wissenschaftliche Abhandlungen. Bd 20. Olms, Hildesheim 2000. ISBN 3-487-11031-8

Einzelnachweise

  1. Biografischer Roman über die Mutter: Weltgeschichte nebenher, Rezension, Neue Zürcher Zeitung vom 25. September 2004
  2. Zentralarchiv Heidelberg
  3. a b Andreas Riechert: Entschlackte Poesie, Wiesbadener Tagblatt, 26. Oktober 2011, Zugriff am 13. November 2011
  4. Andreas Riechert: Schnörkelloser Stil in: Allgemeine Zeitung vom 26. Oktober 2011
  5. Jüdin sein, deutsch schreiben Rezension, Die Welt 23. Dezember 2006
  6. Eine fast fiktive Stadterinnerung Rezension, Deutschlandfunk vom 2. Oktober 2008
  7. Eine gescheiterte Liebe Rezension, Deutschlandradio Kultur vom 27. Juli 2011

Weblinks

Barbara Honigmann (b 12 February 1949 in Berlin) is a German author and artist.

Barbara Honigmann is the daughter of German-Jewish emigrants, who returned to East Berlin in 1947 after a period of exile in Great Britain. Her mother, Litzi Friedman, was the first wife of Kim Philby and her father, Georg Honigmann, was the chief editor of the „Berliner Zeitung“. From 1967 to 1972, she studied theatre at Humboldt University in East Berlin.

In the following years she worked as a dramatist and director in Brandenburg and Berlin. She has been a freelance writer since 1975. In 1984, she left the GDR and currently lives with her family in Strasbourg.

Awards

Works

Translations

  • Lev Ustinov: Die Holz-Eisenbahn, Berlin 1979 (with Nelly Drechsler)
  • Anna Akhmatova: Vor den Fenstern Frost, Berlin 1988 (with Fritz Mierau)

External links

Lesen Sie KARL MARX - Zur Judenfrage... und Sie werden staunen, was ein Jude über die Juden so schreibt...

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