Adolf Wach

Adolf Wach (* 11. September 1843 in Culm an der Weichsel; † 4. April 1926 in Leipzig) war ein jüdischer Rechtswissenschaftler.

1912 Katharina (Käthe) Wach ein Anwesen in Dresden erworben, das fortan durch einen weiteren, grundlegenden Umbau 1913/1914 zur Villa Wach ernannt wurde.

Katharina Wach (1876–1956) war eine Tochter Ernst von Mendelssohn-Bartholdys, des Seniorchefs einer der bedeutendsten jüdischen Privatbanken, Mendelssohn & Co., Berlin.

Ihr Ehemann, der sächsische Staatsbeamte und Geheimrat Dr. jur. Felix Wach (1871–1943), ein Sohn Adolf Wachs und mütterlicherseits ein Enkel von Felix Mendelssohn Bartholdy, arbeitete unter anderem als Amtshauptmann in Oschatz und Pirna.

Gemeinsam hatten sie drei Kinder, darunter den Religionswissenschaftler und Soziologen Joachim Wach, der im Jahre 1935 in die USA emigrierte zu seinen Schekelbrüdern.

Der Umbau des Herrenhauses, zu dem zu jener Zeit die heutigen Grundstücke 62–76 gehörten, erfolgte durch den Architekten Hugo Wach (1872–1939), einen Bruder von Felix. Dabei wurde zur Ausgestaltung der Prunkhalle der Künstler Wilhelm Köppen hinzugezogen.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg, Königsberg (Promotion 1865) und Göttingen und der Habilitation für Kirchenrecht und Prozeßrecht in Königsberg 1868 wurde Wach 1869 ordentlicher Professor in Rostock, 1871 in Tübingen, 1872 in Bonn und 1875 in Leipzig (bis 1920). Sein Spezialgebiet war das Zivilprozeßrecht. Ab 1879 war er neben seiner Lehrtätigkeit Hilfsrichter am Landgericht Leipzig.

Adolf Wach wurde zum königlich-sächsischen Geheimen Rat ernannt und war zeitweise Mitglied der sächsischen Ersten Kammer als Vertreter der Universität Leipzig. Adolf Wach war Mitglied in vielen Organisationen: Er war im Kirchenvorstand der Nikolaikirchgemeinde, Mitglied der Landessynode. Er war Vorstandsmitglied des Vereins für Innere Mission, des Vereins für Bibelverbreitung u.s.w..

Adolf Wach soll die Ernennung zum sächsischen Kultusminister und eine Nobilitierung angestrebt haben, und galt als Snob:

„Wach war der Mann der grande allure. Von den Studenten interessierten ihn die Freiherrn, Grafen und Prinzen. Die geselligen Veranstaltungen der Professorengesellschaft, …. besuchte Wach mit seiner Familie ostentativ nicht, weil sie ihnen zu kleinbürgerlich waren. …

Als sein ältester Sohn militärpflichtig wurde, konnte er, wie jeder, der die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst hatte, den Truppenteil wählen. Wach unterhielt sich im Professorenzimmer mit den Kollegen und meinte, daß es schwer sei, den richtigen Truppenteil zu wählen. Es ging die Rede, Friedberg habe ihm der Exklusivität wegen zu den apokalyptischen Reitern oder zu den himmlischen Heerscharen geraten.

Es gelang Wach, seinen Sohn bei den Dresdner Gardereitern anzubringen,…, “

– Rudolf Mothes: Erinnerungen

Wach heiratete am 23. März 1870 in Frankfurt (Main) Elisabeth (gen. Lili) Mendelssohn Bartholdy (1845-1910), die jüngste Tochter des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Wach war Mitglied in der Gewandhauskonzertdirektion und initiierte für seinen Schwiegervater ein Denkmal vor dem Haupteingang des Gewandhauses. Sein Sohn Felix Wach ist der Vater des Religionswissenschaftlers Joachim Wach.

Wach verbrachte seine Sommerferien regelmäßig in Wilderswil im Kanton Bern, wo er 1880 auf dem Ried ein Stück Land kaufte und drei Häuser bauen ließ. Dort siedelte er sich später an und wurde Ehrenbürger von Widerswil. Das gemeinsame Grab von Lili und Adolf Wach liegt dort auf dem Friedhof Gsteig bei Interlaken.

Werke

  • Der Arrestprozeß in seiner geschichtlichen Entwicklung. 1. Teil: Der italienische Arrestprozeß. Leipzig 1868.
    (Wach setzte die Arbeit an seinem Habilitationsthema nicht wie geplant fort, sondern ließ seinen Schüler Guido Kisch für dessen Habilitation 1914 die Untersuchung über den deutschen Arrestprozeß durchführen. Ein Neudruck erschien im Scientia-Verlag, Aalen 1973, ISBN 3-511-10087-9.)
  • Handbuch des deutschen Zivilprozeßrechts. 1885.
  • Struktur des Strafprozesses. 1914.

Literatur

  • Dagmar Unger: Adolf Wach (1843–1926) und das liberale Zivilprozeßrecht. Berlin 2005, ISBN 3-428-11482-5.
  • Gerold Schmidt, Zur Erinnerung an den großen Prozeßrechtler Adolf Wach (1843-1926), in: Zeitschrift für Zivilprozeß (ZZP), 100. (Jubiläums-)Bd. 1987,S. 3-10

Einzelnachweise

  1. Rudolf Mothes: Lebenserinnerungen eines Leipziger Juristen, Teil A S. 141ff., Archiv der Stadt Leipzig, zit. nach der Webseite von Klaus Schmiedel, PDF, abgerufen am 2. Dezember 2010.

Weblinks

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