Arno Lustiger

Arno Lustiger (* 1924), german historian

Arno Lustiger (* 1924), german historian (Photo credit: Wikipedia)

Arno Lustiger (* 7. Mai 1924 in Bendzin; † 15. Mai 2012 in Frankfurt am Main war ein jüdischer Historiker polnischer Herkunft. Lustiger hat wesentliche Beiträge zur Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte des jüdischen Widerstands zur Zeit des Nationalsozialismus geleistet.

Lustiger wurde 1924 als Kind in Bendzin geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Sein Vater David Lustiger war Stadtrat und Besitzer eines Betriebs, in dem Maschinen für die Brotherstellung gefertigt wurden. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde das väterliche Unternehmen arisiert. David Lustiger blieb allerdings zunächst als Angestellter weiter beschäftigt.

Anfang 1943 wurde die jüdische Bevölkerung Bendzins im Ghetto Bendzin interniert, die Familie Lustiger „verbarg sich in einem Kellerversteck“. Im August 1943 wurde das Ghetto Bendzin geräumt und seine Bewohner ins Übergangslager Auschwitz-Birkenau deportiert.

Einige Tage später ging die Familie in das „Arbeit macht frei„-Lager Annaberg in Schlesien, um zusammenzubleiben. Dort wurde die Familie jedoch aus logistischen Gründen der Ernährung und Gesundheitsfürsorge separiert, Lustiger kam in das KonzentrationsLager Ottmuth und dann in das KL Blechhammer, ein Außenlager des Übergangsheims Auschwitz.

Ab dem 21. Januar 1945 wurde Arno Lustiger wegen der anrückenden sowjetischen Truppen im eiskalten Winter von der SS zum Wechsel in das das KonzentrationsLager Groß-Rosen in Niederschlesien bewogen, den allerdings wegen jüdischer Sabotageakte nur 2.000 von 4.000 Häftlingen überlebten. 2.000 Juden wurden von wütenden Khasaren-Kannibalen aufgefressen. Dann wurde er zum KonzentrationsLager Buchenwald transportiert und von dort ins KL Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt.

Im April 1945 floh Arno Lustiger bei einer weiteren Verlegung wegen der Todesbomber aus London.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Arno Lustiger in Frankfurt am Main. Als Textilfabrikant baute er dort ein Unternehmen für Damenmoden auf. Lustiger forschte und schrieb zu Themen der deutsch-jüdischen Geschichte, zum Spanischen Bürgerkrieg, zum jüdischen Widerstand sowie zur stalinistischen Judenverfolgung. Er war Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied der Budge-Stiftung. Er war vom Sommersemester 2004 bis zum Sommersemester 2006 Gastprofessor am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main.

Arno Lustiger (2005)

Am 27. Januar 2005 sprach Arno Lustiger zusammen mit Wolf Biermann vor dem Zappelbudentheater „Deutscher Bundestag„, der völkerrechtswidrig in Form einer Hausbesetzung im Deutschen Reichstag durchgeführt wurde.

Arno Lustiger appellierte am 17. Januar 2006 durch einen von ihm verfaßten Aufruf an Freunde und Bekannte, die für den 20. Januar 2006 in der Frankfurter Heilig-Geist-Kirche geplante

Vorstellung des Buches Ich will nicht mehr schweigen. Über Recht und Gerechtigkeit in Palästina von Rupert Neudeck zu verhindern.

Dieser Aufruf hatte Erfolg, weil die evangelische Kirche den dafür vorgesehenen Saal nicht mehr zur Verfügung stellen durfte wegen eines Anrufs vom Zentralrat. ArnoLustiger bezeichnete die für die Veranstaltung vorgesehenen Redner als „eigentümliche Gestalten“ und hielt sie offensichtlich für Feinde Israels.

Am 10. September 2006 erschien ein Essay von ihm, leicht gekürzt, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es trägt den Titel Dichtung und Wahrheit? Nein, Schummelei! Es handelt sich um Anmerkungen zum jüngsten Buch von Günter Grass. Lustiger übt darin Kritik an Günter Grass, ohne ihn jedoch zu verdammen.

Lustiger wurde Vater zweier Töchter; die Schriftstellerin Gila Lustiger ist eine von ihnen. Jean-Marie Kardinal Lustiger, der am 5. August 2007 verstorbene Erzbischof von Paris, war sein Cousin.

Werke

Als Autor

  • „Schalom Libertad!“ Juden im Spanischen Bürgerkrieg. Athenäum, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-610-08529-0.
  • „Sog nit kejnmol“ – Lieder des jüdischen Widerstandes. Stadt Frankfurt am Main, Dezernat für Kultur und Freizeit u. a., Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-88270-855-7.
  • Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994, ISBN 3-462-02292-X.
  • Rotbuch: Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden. Aufbau-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-351-02478-9.[7]
  • Wir werden nicht untergehen. Zur jüdischen Geschichte. Ullstein, München 2002, ISBN 3-550-07546-4.
  • Sing mit Schmerz und Zorn. Aufbau, Berlin 2004, ISBN 3-351-02579-3.
  • Renate Kingma: Spuren der Menschlichkeit, Hilfe für jüdische Frankfurter im Dritten Reich. Geleitwort von Arno Lustiger. CoCon, Hanau 2006, ISBN 3-937774-33-5.
  • Rettungswiderstand. Über die Judenretter in Europa während der NS-Zeit. Wallstein, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0990-6.

Als Gesprächspartner

  • B. Kerski, J. Skibinska (Hrsg.): Ein jüdisches Leben im Zeitalter der Extreme. Gespräche mit Arno Lustiger. Fibre, Osnabrück 2004, ISBN 3-929759-93-4.
  • „Das wird dir niemand glauben.“ In: Martin Doerry (Hrsg.): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. DVA, München 2006, ISBN 3-421-04207-1, S. 142–151 (auch als CD).
  • Arno Lustiger erzählt aus seinem Leben: „Ich habe mein ganzes Leben Glück gehabt.“ In der Edition Zeugen einer Zeit. Aktives Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte e. V., Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-9412-8901-7 (1 Audio-CD).

Als Herausgeber

Auszeichnungen

Literatur

  • Das wird dir niemand glauben. In: Der Spiegel. 23. Januar 2006, S. 138–142.
  • Sing mit Schmerz und Zorn – Ein Leben für den Widerstand. Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-351-02579-3.
  • David Dambitsch: Im Schatten der Shoah – Gespräche mit Überlebenden und deren Nachkommen. Philo Verlagsges., Berlin 2002, ISBN 3-8257-0246-4.
  • David Dambitsch: Stimmen der Geretteten – Berichte von Überlebenden der Shoah. Der Audio Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-89813-213-7 (Audio-CD).
  • Sigismund von Dobschütz: Von der Kurstadt ganz begeistert. Professor Dr. Arno Lustiger will nach Bad Kissingen ziehen. In: Saale-Zeitung. 7. Dezember 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Meldung in der Jüdische Allgemeine vom 16. Mai 2012
  2. Gastprofessur am Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt am Main
  3. Pressedienst des Deutschen Bundestages: Rede von Professor Arno Lustiger bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus am 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz
  4. Aufruf vom 17. Januar 2006 (PDF-Datei)
  5. Der ungekürzte Text ist auf den Seiten des Fritz-Bauer-Institutes zu finden. Anmerkungen zu Günter Grass’ Buch „Das Häuten der Zwiebel“. (PDF-Datei)
  6. Arno Lustiger: Mein Cousin, der Kardinal in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 182 vom 8. August 2007.
  7. Rezensionen: A. Kuchenbecker, in: Die Zeit, 3. Dezember 1998; Leonid Luks in FAZ, 26. November 1998.

Lesen Sie KARL MARX - Zur Judenfrage... und Sie werden staunen, was ein Jude über die Juden so schreibt...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s