Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy

Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973), Dartmouth...

Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy

Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy (* 6. Juli 1888 als E. M. F. Rosenstock in Berlin-Steglitz; † 24. Februar 1973 in Norwich, Vermont, USA) war ein Rechtshistoriker und Soziologe, dessen lebenslanges Forschen weit gespannt war, zudem aber auch der lebendigen Sprache galt. Als geborener Jude ließ er sich 1905 evangelisch taufen.

Eugen Rosenstock-Huessy wurde als Sohn des wohlhabenden jüdischen Bankiers Carl Theodor Rosenstock (1853–1929) und Paula Rosenstock († 1938) in der Plantagenstraße 3 in Berlin geboren. Eugen Rosenstock-Huessy hatte drei ältere und drei jüngere Schwestern.

1921 kam sein eigener Sohn Hans Rosenstock zur Welt.

Einige Aufsätze in der katholischen Zeitschrift Hochland (1931/32) zeichnete er mit dem Pseudonym Ludwig Stahl.

Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy zeichnete ein feines Gespür für die geschichtlichen Ereignisse aus, die er als Mitlebender wach und mit überraschender Schnelligkeit in größere Zusammenhänge stellte. Er wirkte als Universitätslehrer, als Herausgeber der ersten Daimler-Werkszeitung, als erster Leiter der Akademie für Arbeit in Frankfurt am Main, als Professor in Breslau, als Mitinitiator der Schlesischen Arbeitslager für Arbeiter, Bauern und Studenten, als „Erzvater des Kreisauer Kreises“, wie ihn Walter Hammer (1888-1966) genannt hat, und als Hochschullehrer in den Vereinigten Staaten auf viele Menschen ein.

Eugen Rosenstock-Huessy verstand sich aber stets als einer von denen, die nach der grundlegenden Erfahrung des Zusammenbruchs nach dem Ersten Weltkrieg neue Wege suchten, um einer sozialen Ordnung den Weg zu weisen. Zu dieser Schar gehörten namentlich die Autoren der Zeitschrift Die Kreatur, die von 1926 bis 1930 erschien.

Die Begegnung mit Franz Rosenzweig erhellte ihm, daß es trotz des Christentums auch das Judentum weiterhin geben müsse.

Sofort nach Hitlers „Machtergreifung“ am 30. Januar 1933 erkannte er, wie es um die Menschen jüdischer Herkunft in Deutschland stünde, und verließ es bereits im selben Jahr.

In Deutschland, wo Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy 1950 erstmals wieder seine Stimme in der Göttinger Universität erheben konnte, kam er dann fast nur denen wieder nahe, die sich unmittelbar von ihm inspirieren ließen. Seine treuesten europäischen Hörer nach 1945 sind wohl in den Niederlanden zu finden.

Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy besuchte das Friedrich-Wilhelms-, dann das Joachimsthaler Gymnasium und machte dort 1906 das humanistische Abitur (mit Griechisch und Latein).

Danach studierte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy die Rechtswissenschaften in ZürichBerlin und Heidelberg und wurde 1910 an der Universität Heidelberg mit der Dissertation Landfriedensgerichte und Provinzialversammlungen vom neunten bis zwölften Jahrhundert zum Dr. jur. promoviert. Danach leistete er als Einjährig-Freiwilliger seinen Wehrdienst bei der Artillerie in Kassel ab. Schon 1912 habilitierte er sich an der Universität Leipzig mit der Arbeit Ostfalens Rechtsliteratur unter Friedrich II. für Deutsches Privatrecht und Deutsche Rechtsgeschichte, wodurch er zum damals jüngsten Privatdozenten Deutschlands wurde. Er erweiterte seine Venia legendi 1914 mit der Arbeit Königshaus und Stämme in Deutschland zwischen 911 und 1250, die ihm 1923 in Heidelberg seine Promotion zum Dr. phil. ermöglichte, auch auf das Staatsrecht, 1923 als Privatdozent für Soziologie in Darmstadt.

Bereits vor dem Krieg schloß Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy Freundschaft mit Franz Rosenzweig.

Während eines Studienaufenthaltes 1913-14 in Florenz hatte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy die Schweizerin Margrit Huessy kennengelernt; sie heirateten 1914 in Leipzig, einen Tag nach dem Attentat von Sarajewo.

Im Ersten Weltkrieg stand Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy als Offizier an der Westfront

Seit 1925 führte Rosenstock den Namen der Ehefrau in dem Doppelnamen Rosenstock-Huessy.

Nach dem Ersten Weltkrieg verzichtete Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy auf verlockende Angebote der Universität Leipzig, der Zeitschrift Hochland und zur Vorbereitung einer Verfassung für die Weimarer Republik und ging zu Daimler-Benz, wo er die erste deutsche Werkszeitung herausgab. 1920 publizierte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy in dem von ihm mit Hans Ehrenberg und Leo Weismantel gegründeten Patmos-Verlag die Schrift Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution.

1921 war Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy Mitbegründer und erster Leiter der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main, von der er sich 1922 im Streit mit den anderen Dozenten um neue Formen der Zusammenarbeit trennte. 1923 folgte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy einem Ruf auf eine Professur an die Universität Breslau, wo er bis zu seiner Emigration 1933 forschte und lehrte. In mehreren Publikationen behandelte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy die neuartigen Rechtsfragen in allen Lebensbereichen infolge der Industrialisierung (so 1926 in der Festgabe für Xaver Gretener „Vom Industrierecht. Rechtssystematische Fragen“). In Breslau begann auch seine Freundschaft mit Joseph Wittig, deren Dokument das dreibändige Werk „Das Alter der Kirche“ ist, dessen Band 3 von 1928 die Geschichte der Exkommunikation Wittigs behandelt. 1931 erschien sein revolutionstheoretisches Werk Die Europäischen Revolutionen. Volkscharaktere und Staatenbildung.

1924 war Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy Mitbegründer des „Hohenrodter Bundes“ – ein Zeichen seines andauernden Wunsches, über die Grenzen der Universität hinaus zu wirken. So konzipierte und veranstaltete er von 1928 bis 1932 die freiwilligen sozialen Arbeitsdienste in gemeinsamen Lagern für Studenten, Bauern und Arbeiter, die körperliche Arbeit mit intensiven Diskussionen zu sozialen Fragen verbanden, deren eines er auf Anregung Helmuth James von Moltkes in Kreisau gründete und bis 1933 begleitete (Löwenberger Arbeitsgemeinschaft).

1931 veröffentlichte Rosenstock-Huessy in der Zeitschrift Hochland den Aufsatz Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus Darin führt er den zeitgenössischen Begriff „Drittes Reich“ auf seine Quellen bei dem mittelalterlichen Geschichtstheologen Joachim von Fiore zurück und stellt das politische Konzept des Jungkonservativen Arthur Moeller van den Bruck dar.

Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy kritisiert die Verwendung dieses zunächst theologischen Begriffes durch den Nationalsozialismus. „Man hat ein Wort der Theologie in die weltlich-staatliche Vorstellungswelt übernommen (…).“

Rosenstock-Huessy wendet sich in dem Artikel gegen die Ideen der Freimaurer-Weltordnung „Französische Revolution“ von 1789.

Die Nationalsozialisten stellten einen „Teilstoß eines Nachkriegsaufbruchs unseres Volkes“ dar.

Das sei aber nicht der Deutschen eigentliche Aufgabe; vielmehr müsse es eine „Völkerwelt“, ein „christliches Drittes Reich“ geben, in dem die Deutschen die geistige Führung innehätten mit den Ideen (des Freimaurers) Johann Wolfgang Goethes und Friedrich Hölderlins.

Er schließt seine Ausführungen mit der Aussage, „daß wir den Glauben der Nationalsozialisten nicht teilen können.“

Zwei Tage nach der NS-„Machtergreifung“ sagte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy 1933 seine Breslauer Lehrveranstaltungen ab und erwirkte die förmliche Beurlaubung, um seine Emigration aus dem Deutschen Reich vorzubereiten. Am 9. November 1933 verließ er es auf dem Schiff Deutschland in die Vereinigten Staaten von Amerika. Frau und Sohn folgten ihm bald.

Dort war Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy 1934 Kuno Francke Lecturer in German Art and Culture an der Harvard University.

Als Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy 1935 noch einmal nach Deutschland zurückkehrte, bestätigte sich der Entschluß, Deutschland zu verlassen, so daß die Rückkehr nach Amerika für ihn zur bewußten Einwanderung wurde und er sich 1941 naturalisieren ließ. Ab 1935 wirkte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1957 am Dartmouth College in HanoverNew Hampshire.

1940 ersuchte ihn der jüdische Präsident der USA, Franklin Delano Roosevelt (Judenname Rosenfeld!), die Führungsausbildung für das Civilian Conservation Corps zu organisieren, wofür er das Camp William James in Vermont begründete, das gleichzeitig auch freiwillige Arbeitsdienste organisierte.

Diese Tätigkeit mußte 1941 abgebrochen werden, als das Deutsche Reich den USA den Krieg erklärt hatte. Diese Kriegserklärung ist die einzige des Deutschen Reichs – L’empire allemand – German Empire an eine Feindmacht des Deutschen Volkes.

Von 1941 bis 1945 publizierte Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy seine grundlegende Schrift The Origin of Speech.

Seit 1917 verband seine Ehefrau Margrit Huessy und Franz Rosenzweig eine starke Zuneigung. Die überlieferten Briefe Rosenzweigs aus dem langjährigen Briefwechsel wurden 2002 publiziert. Margrit Huessy verstarb im Jahre 1959.

Im Jahr darauf zog Freya Gräfin von Moltke, die Witwe des im Januar 1945 hingerichteten Widerstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke, zu Rosenstock-Huessy nach Norwich in Vermont. Dort lebten sie gemeinsam bis zu seinem Tode.

Bis zu seinem letzten Buch Dienst auf dem Planeten (1965) arbeitete und publizierte Eugen Rosenstock-Huessy auf Deutsch und Englisch.

Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy starb am 24. Februar 1973.

Die Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft wurde auf Initiative seines Betheler Freundes Georg Müller am 6. Juli 1963 gegründet. Ihr Ziel ist die Bewahrung seiner Werke und seines Wirkens in allen Lebensbereichen. Sie gibt seither die Mitteilungen der Eugen Rosenstock-Huessy Gesellschaft heraus. Eugen Rosenstock-Huessy hatte regelmäßige Begegnungen mit der Oberstufe des Friedrich von Bodelschwingh-Gymnasiums in Bethel bei Bielefeld, dessen langjähriger Direktor sein Freund Georg Müller war.

In Vermont besteht seit 1976 der Eugen Rosenstock-Huessy Fund, der dort die Verbreitung der Werke Rosenstock-Huessys fördert und seine Vorlesungen am Dartmouth College publiziert hat.

Zahlreiche Bücher Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessys wurden nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgelegt, zudem legte ein „eingeschworener Kreis von Freunden und Anhängern seit den 1950er-Jahren Studien zum Leben und Werk Rosenstock-Huessys vor […] Andererseits ist Rosenstock-Huessys Name keinem breiteren Publikum bekannt, seine Schriften werden wenig gelesen. […] Die ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung mit dem eigenwilligen, leider sehr sprunghaften, dafür aber ideenreichen Autor steht noch am Anfang.“

Ehrungen

Ausgewählte Veröffentlichungen

  • Herzogsgewalt und Friedensschutz, M & H Marcus, Breslau 1910; Scientia-Verlag, Aalen ²1969
  • Angewandte Seelenkunde, Röther-Verlag, Darmstadt 1916, ²1924
  • Briefwechsel mit Franz Rosenzweig, 1916; Schocken-Verlag, Berlin ²1935
    • (engl.) Judaism despite Christianity, University of Alabama Press 1969; Schocken Books, New York ²1971
  • Die Hochzeit des Kriegs und der Revolution, Patmos-Verlag, Würzburg 1920
  • Die Tochter, Talheimer-Verlag, Mössingen-Talheim 1920, ²1988
  • Werkstattaussiedlung. Untersuchungen über den Lebensraum des Industriearbeiters, Julius Springer Verlag, Berlin 1922; Brendow-Verlag, Moers ²1997. ISBN 3-87067-629-9[22]
  • Die Kräfte der Gemeinschaft. Berlin 1925
  • Religio depopulata. Zu Josef Wittigs Ächtung. Lambert Schneider, Berlin 1926
  • Die Kreatur. Eine Zeitschrift, Verlag Lambert-Schneider, Berlin 1926-30; Reprint: Kraus-Reprint, Nendeln (Liechtenstein) 1969
  • Das Alter der Kirche, 3 Bde., Verlag Lambert Schneider, Berlin 1927-28; Neuauflage , Agenda-Verlag, Münster ²1998
  • Die europäischen Revolutionen und der Charakter der Nationen, Eugen-Diederichs-Verlag, Jena 1931; Düsseldorf/Köln ²1951, ³1960, letzte vergriffene Neuauflage 1987
  • The Multiformity of Man, Beachhead, Norwich VT (USA) 1936
    • (dt.) Der unbezahlbare Mensch, Käthe-Vogt-Verlag, Berlin 1955; Herder-Verlag, Freiburg/Basel/Wien ²1964
  • Magna Carta Latina, The Pickwick Press, Pittsburgh 1937, ²1967 , ³1975,
  • Out of Revolution. Autobiography of Western Man, Oxford/New York 1938; Argo Books, Norwich VT ²1966 und ³1969, Berg Publishers, Providence ( 4. Aufl.) 1993
  • The Origin of Speech, Argo Books, Norwich VT 1941-45, ²1981
  • The Christian Future, Charles Scribner’s Sons, New York 1946; Neuauflage : The Christian Future or the Modern Mind Outrun, Harper & Row, New York ²1966
    • (dt.) Des Christen Zukunft, oder Wir überholen die Moderne, Chr.-Kaiser-Verlag, München 1956; Brendow-Verlag, Moers ²1985
  • Der Atem des Geistes, Verlag der Frankfurter Hefte, Frankfurt am Main 1951; Brendow-Verlag, Moers, und Amandus-Verlag, Wien ²1991
  • Heilkraft und Wahrheit, Evangelisches Verlagwerk GmbH, Stuttgart 1951; Brendow-Verlag, Moers, und Amandus-Verlag, Wien ²1991
  • Soziologie, 2 Bde., W.-Kohlhammer-Verlag, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1956/58 (Bd. I.: Die Übermacht der Räume, 1956, Bd. II.: Die Vollzahl der Zeiten, 1958)[23]
  • Frankreich – Deutschland. Mythos oder Anrede?, Käthe-Vogt-Verlag, Berlin 1957
  • Zurück in das Wagnis der Sprache. Ein aufzufindender Papyrus, Käthe Vogt Verlag, Berlin 1957; Verlag Die blaue Eule, Essen ²1997
  • Das Geheimnis der Universität. Wider den Verfall von Zeitsinn und Sprachkraft. Aufsätze und Reden aus den Jahren 1950 bis 1957. Hrsg. Georg Müller. W.-Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 1958
  • Die Gesetze der Christlichen Zeitrechnung, Agenda-Verlag, Münster 1958; ²2002
  • Friedensbedingungen der planetarischen Gesellschaft, 1959; Neuauflage im Agenda-Verlag, Münster 1988
  • Die Sprache des Menschengeschlechts, 2 Bde., Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1963/64
  • Die Frucht der Lippen, 1964
    • (engl.) Fruit of Lips, The Pickwick Press, Pittsburgh (USA) 1978
  • Dienst auf dem Planeten. Kurzweil und Langeweile im Dritten Jahrtausend. Mit Dokumenten. W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1965
    • (engl.) Planetary Service, 1978
  • Ja und Nein. Autobiographische Fragmente, Verlag Lambert-Schneider, Heidelberg 1968
    • (engl.) I am an Impure Thinker, Argo Books, Norwich VT, 1970 (siehe unten: Weblinks)
  • Speech and Reality, Argo Books, Norwich VT 1969
  • Unterwegs zur planetarischen Solidarität, 2006 (Sammeledition von Der unbezahlbare Mensch)

Literatur

  • Frank Böckelmann/Dietmar Kamper/Walter Seitter (Hrsg.): Eugen Moritz Friedrich Rosenstock-Huessy (1888–1973). Turia & Kant, Wien 1995 (Tumult; No. 20), ISBN 3-85132-085-9, darin Nachdruck des Aufsatzes von 1931 Das Dritte Reich und die Sturmvögel des Nationalsozialismus.[25]
  • Bernd FaulenbachEugen Rosenstock-Huessy. In: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.): Deutsche Historiker. Bd. IX, Göttingen 1983, S. 102-126.
  • M[argret] Funke-Schmitt-Rink: Rosenstock-Huessy, Eugen. In: Wilhelm Bernsdorf/Horst Knospe (Hrsg.): Internationales Soziologen-Lexikon. Bd. 2, Enke, Stuttgart ²1984, S. 725.
  • Willibald Huppuch: Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973) und die Weimarer Republik. Erwachsenenbildung, Industriereform und Arbeitslosenproblematik. Kovac, Hamburg 2004, ISBN 3-8300-1683-2.
  • Dominik KlenkMetanomik. Quellenlehren jenseits der Denkgesetze. Eugen Rosenstock-Huessys Wegbereitung vom ich-einsamen Denken der neuzeitlichen Philosophie zur gelebten Sprachvernunft. Münster 2003, ISBN 3896881752ISBN 978-3896881755.
  • Bas Leenman/Lise van der Molen/Eckart Wilkens (Hgg.): Eugen Rosenstock-Huessy – Zum hundertsten Geburtstag. Talheimer Verlag, Mössingen-Talheim 1990, ISBN 3-89376-010-5.
  • Andreas Leutzsch: Zwischen Welt und Bielefeld. Eugen Rosenstock-Huessy, Georg Müller und ihr Archiv in Bielefeld-Bethel. In:Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (JBHVR) 91, Bielefeld 2006, S. 225-250.
  • Christoph Richter: Im Kreuz der Wirklichkeit. Die Soziologie der Räume und Zeiten von Eugen Rosenstock-Huessy. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-631-55773-0.
  • Wilfried Rohrbach: Das Sprachdenken Eugen Rosenstock-Huessys. Historische Erörterung und systematische Explikation W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1973, ISBN 3-17-210141-X.

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  Der Kreisauer Kreis: http://freenet-homepage.de/reichweinverein/Kreis.html
  2.  Walter BenjaminNikolaj Berdjajew, Hugo Bergmann, Martin BuberEdgar Dacqué, Hans Ehrenberg, Rudolf Ehrenberg, Marie Luise Enckendorff, M. Gerschenson und W. Iwanow, Eberhard GrisebachWilly HaasHermann Herrigel, Edith Klatt, Fritz Klatt, Georg Koch, Ernst Loewenthal, Ernst Michel, Wilhelm Michel, Albert Mirgeler, Karl Nötzel, Alfons PaquetWerner PichtFlorens Christian Rang, Eugen Rosenstock-Huessy, Franz Rosenzweig, Heinrich Sachs, Leo Schestow, Justus Schwarz, Ernst Simon, Dolf Sternberger, Eduard Strauss, Ludwig Strauss, Hans Trüb, Viktor von WeizsäckerJoseph Wittig.
  3.  Franz Rosenzweig: Ich bleibe also Jude
  4.  Sein Argument, dass Deutschlands geistige und seelische Existenz daran hänge, wie man die Märtyrer unter Hitler würdige, dürfte seiner Wirkung in der Adenauer- und Ulbricht-Ära stark im Wege gestanden haben, wo solche Gedankengänge aus verschiedenen Gründen unwillkommen und unpopulär waren.
  5.  Wichtige Werke von ihm wurden ins Niederländische übersetzt.
  6.  Veröffentlichte Überarbeitung: Eugen Rosenstock: Herzogsgewalt und Friedensschutz. Deutsche Provinzialversammlungen des 9.-12. Jahrhunderts. Marcus, Breslau 1910 (Untersuchungen zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte 104). Vgl. Hans-Christof Kraus: Rosenstock-Huessy, Eugen Friedrich Moritz. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 22, Berlin 2005, S. 75f.
  7.  Böhlau, Weimar 1912.
  8.  Felix-Meiner-Verlag, Leipzig 1914; Neuauflage 1965 Scientia-Verlag, Aalen.
  9.  [Mit falscher Behandlung des Nachnamens:] Huessy, Eugen Rosenstock. In: Dagobert D. Runes: Who’s who in philosophy. New York 1969, S. 119.
  10.  Zum berühmten „Nachtgespräch“ vgl. Franco Rest: Zur Entstehung des dialogischen Denkens bei Franz Rosenzweig und Eugen Rosenstock-Huessy im Leipziger Nachtgespräch 1913. Forschungsprojekt an der Fachhochschule Dortmund (PDF, 72 KB).
  11.  Anders der Soziologe Max Weber.
  12.  Daimler-Werkszeitung, 1919–1920, Stuttgart-Untertürkheim: Daimler-Motoren-Gesellschaft
  13.  Ein eigenes Magazin für Mitarbeiter – Vor 90 Jahren schloss die erste Werkszeitung Deutschlands Deutschlandfunk, Kalenderblatt vom 25. August 2010
  14.  Hochland 28, 1931, S. 193–211.
  15.  Über eine lange Überlieferungskette bildet dieser Text die Grundlage des Irrtums von Alois Prinz (Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt. Die Lebensgeschichte der Hannah Arendt. Beltz & Gelberg, Weinheim 1998, ISBN 3-407-80853-4), Rosenstock-Huessy habe den Nationalsozialismus begrüßt.
  16.  Die Stellung Eugen Rosenstock-Huessys zum Nationalsozialismus wird bis auf weiteres auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel genauer besprochen. Vgl. auch Drittes Reich (Begriffsklärung).
  17.  Im Eugen Rosenstock-Huessy Archiv in Four Wells (Hopson Road) Norwich, Vt. USA, (Bestand XXXI, Nr. 2) befindet sich die Urkunde über die Naturalisation (Certificate of Naturalization), datiert auf den 13. Mai 1941, ausgestellt vom Windsor County im Staat Vermont.
  18.  Argo Books, Norwich/VT 1941-45; (port.) A Origem da Linguagem, hgg. u. annot. von Olavo de CarvalhoBiblioteca de Filosofia da Editora Record, (Brasilien) 2002.
  19.  Franz Rosenzweig: Die „Gritli“-Briefe, (Hgg. Inken Rühle/Reinhold Mayer), Bilam-Verlag Tübingen 2002. ISBN 3-933373-04-2.
  20.  Freya von Moltke lebte dort bis zu ihrem Tod am 1. Januar 2010.
  21.  Matthias Wolfes: Rezension zu: Rosenstock-Huessy, Eugen: Im Kreuz der Wirklichkeit, 3 Bde. Mössingen 2009. In: H-Soz-u-Kult, 22.02.2011.
  22.  Die Schrift gilt als Pionierstudie der Industriesoziologie.
  23.  Der Artikel Soziologie in der englischsprachigen Wikipedia gibt einen Überblick über die zweibändige Ausgabe.
  24.  Vgl. Matthias Wolfes: Rezension zu: Rosenstock-Huessy, Eugen: Im Kreuz der Wirklichkeit, 3 Bde. Mössingen 2009. In: H-Soz-u-Kult, 22.02.2011.
  25.  S. 16–36, zuerst in Hochland 28, 1931, S. 193–211.

Eugen Rosenstock-Huessy (July 6, 1888 – February 24, 1973) was a historian and social philosopher, whose work spanned the disciplines of history, theology, sociology, linguistics and beyond. Born in Berlin, Germany into a non-observant Jewish family, the son of a prosperous banker, he converted to Christianity in his late teens, and thereafter the interpretation and reinterpretation of Christianity was a consistent theme in his writings . He met and married Margrit Hüssy in 1914. In 1925, the couple legally combined their names. They had a son, Hans Rosenstock, in 1921.

Rosenstock-Huessy served as an officer in the German army during World War I. His experience caused him to reexamine the foundations of liberal Western culture. He then pursued an academic career in Germany as a specialist in medieval law, which was disrupted by the rise of Nationalsozialism. In 1933, after Adolf Hitler became Chancellor of Germany, he emigrated to the United States where he began a new academic career, initially at Harvard University and then at Dartmouth College, where he taught from 1935 to 1957.

Although never part of the mainstream of intellectual discussion during his lifetime, his work drew the attention of W. H. AudenHarold BermanMartin MartyLewis MumfordPage Smith, and others. Rosenstock-Huessy may be best known as the close friend of and correspondent with Franz Rosenzweig. Their exchange of letters is considered by scholars of religion and theology to be indispensable in the study of the modern encounter of Jews with Christianity. In his work, Rosenstock-Huessy discussed speech and language as the dominant shaper of human character and abilities in every social context.

He is viewed as belonging to a group of thinkers who revived post-Nietzschean religious thought.

Rosenstock-Huessy was born Eugen Friedrich Moritz Rosenstock in Berlin, German Empire on July 6, 1888, to Theodor Rosenstock and Paula Rosenstock. His father, a scholarly man, was a banker and a member of the Berlin Stock Exchange. He was the only son among seven surviving children.

Despite his parents’ Jewish heritage, his family “celebrated some Christian holidays, in keeping with other German families at the time.”  He joined the Lutheran Protestant Church at age 17 and was christened at age 18. He remained a devout proponent of Christianity throughout the rest of his life.

After graduating from a secondary school (gymnasium) with very high academic standards and an emphasis on classical languages and literature, Rosenstock-Huessy pursued law studies at the universities of ZurichHeidelberg, and Berlin. In 1909 the University of Heidelberg granted him a doctorate in law. In 1912 he became a Privatdozent, a preliminary qualification to becoming a professor, at the University of Leipzig, where he taught constitutional law and the history of law until 1914.

In 1914 Rosenstock-Huessy visited FlorenceItaly to conduct historical research. There he met Margrit Hüssy, a Swiss art history major. They married later that year. World War I broke out shortly thereafter.

At the onset of World War I, the German Army drafted Rosenstock-Huessy and stationed him at Western Front, including 18 months at Verdun, until the war’s end. During this period he organized courses for the troops, replacing the limited instruction in patriotism with broader topics. In 1916, he and his friend, the Jewish philosopher Franz Rosenzweig, also on active duty, exchanged letters on Judaism and Christianity. That correspondence has become well known as a dialog between proponents of the two related religions. Rosenstock-Huessy’s work, Judaism Despite Christianity, contains much of this correspondence.

After World War I, Rosenstock-Huessy became active in labor issues, focusing on improving education as a means to improve the societal standard of living. He returned to academia and started publishing his first noted works.

Rosenstock-Huessy did not return to his teaching post at the University of Leipzig. Instead, he obtained a position with Daimler-Motoren-Gesellschaft, the German car manufacturer, in Stuttgart, Germany. In 1919, he founded and became the editor until 1921 of the first factory newspaper in Germany, the Daimler Werkzeitung (Work Newspaper).

In 1921, Rosenstock founded Die Akademie der Arbeit (the Academy of Labor) in Frankfurt am Main. “This institution offered courses and seminars for blue-collar workers, but he resigned in 1923 over differences with the trade union representatives. Nevertheless, he did not give up his involvement with adult education and his efforts to give industrial workers a voice of their own in society.” He co-founded the Patmos Verlag publishing house, which published works on “new religious, philosophical, and social perspectives.

In 1923, Rosenstock-Huessy received a second doctorate in philosophy from the University of Heidelberg. He then lectured at the Technical University of Darmstadt in the faculty of social science and social history until he was offered a job at the University of Breslau as a full professor of German legal history, a position he held from 1923 until January 30, 1933.

During this period, Rosenstock-Huessy became active in many other ways at the University of Breslau. He helped organize voluntary work service camps—Löwenberger Arbeitslager (Löwenberg Work Camp)—for students, young farmers, and young workers to address the living and labor conditions at coal mines in WaldenburgLower Silesia.

In 1926, Joseph Wittig, a reform-minded Roman Catholic priest, was excommunicated and thus lost his right to teach church history at the University of Breslau. Rosenstock-Huessy stood by his friend, Wittig, in this affair. In 1927-1928, they co-authored Das Alter der Kirche (The Age of the Church), which contained two volumes of essays on the history of the Church and a third volume devoted to documents leading up to Wittig’s excommunication.

In 1925, he co-founded a journal, Die Kreatur (The Creature), which was edited by Wittig, a Roman Catholic; Martin Buber, a Jew; and Viktor von Weizsäcker, a Protestant, and lasted until 1930. “Among the contributors were Nicholas BerdyaevLev ShestovFranz RosenzweigErnst SimonHugo Bergmann, Rudolf Hallo, and Florens Christian Rang. Each of these men had, between 1910 and 1932, in one way or another, offered an alternative to the idealism, positivism, and historicism that dominated German universities.”

Soon after January 30, 1933, when the National Socialists (the term „Nazis“ is always confused by the Devil Jews with the correct expression „Nasi“, because they know, that hell is the only place of their spiritual birth and the Devil himself – 666 – is their godness – i.e. Joh 8:40) assumed power in Germany, Rosenstock-Huessy resigned from the University of Breslau and departed Germany that year. By the end of 1933, he received an appointment as Lecturer in German Art and Culture at Harvard University with the help of a professor of government there.

Rosenstock-Huessy published his medieval study Königshaus und Stämme in Deutschland zwischen 911 und 1250 (The Royal House and the Tribes in Germany between 911 and 1250)  in 1914, which he had written in Leipzig and was the source of recognition for his second doctorate. In 1920, Rosenstock-Huessy published Die Hochzeit des Krieges und der Revolution (The Marriage of War and Revolution), “a collection of current events essays that were replete with visionary thinking and practical warnings of conflicts to come.”  In 1921, Rosenstock-Huessy published Angewandte Seelenkunde (Practical Knowledge of the Soul)  wherein he developed a new method for the social sciences based on language, the spoken word, and his „grammatical approach.“ He later called this approach „metanomics.“ Together with Josef Wittig, a Roman Catholic, he published Das Alter der Kirche (The Age of the Church) in 1927-28. That work contained two volumes of essays on the life of the Church and a third volume devoted to documents leading up to Wittig’s excommunication.”

“While he was still teaching at Breslau, Rosenstock wrote and published the first of his major works: Die Europäischen Revolutionen: Volkscharaktere und Staatenbildung (The European Revolutions and the Character of Nations; 1931). This book showed how 1,000 years of European history had been created from five different European national revolutions that collectively came to an end in World War I.”

Dartmouth College

Dartmouth Hall at Dartmouth College[15]

Rosenstock-Huessy encountered strong opposition at Harvard University to the presentation of his ideas in social history and other topics, all of which were based on his Christian faith. Reportedly, Rosenstock-Huessy frequently mentioned God in class. He also often attacked pure, objective academic thinking, a teaching tradition assumed by the Harvard faculty to be a prerequisite for high scholarship. Profound differences of opinion ensued and led, in 1935, to his accepting an appointment as professor of social philosophy at Dartmouth College in Hanover, New Hampshire. He made his home in nearby Norwich, Vermont. He taught at Dartmouth until his retirement in 1957.

At Harvard, he had made friends there who helped him in his publishing efforts. His first major writing task was to develop an English-language revision of his earlier book on revolutions, and he soon published Out of Revolution: Autobiography of Western Man [16] in 1938. George Allen Morgan, a former Harvard student under Alfred North Whitehead and himself the author of the classic What Nietzsche Means, subsequently assisted Rosenstock-Huessy in the preparation of The Christian Future or the Modern Mind Outrun [16] in 1946. Further, Whitehead had strongly supported Rosenstock-Huessy in his disagreements with members of the Harvard faculty.

In 1940 he presented a request to the jewish US PresidentFranklin Delano Roosevelt (Rosenfeld is a Jewish name of German-Holland origin), and was granted approval to organize a youth training program for the Civilian Conservation Corps (CCC). Jewish Eleanor Roosevelt and journalist Dorothy Thompson were champions of the proposal. He then founded Camp William James in TunbridgeVermont as a prototype for a national peacetime volunteer labor service. “Involving mainly students from Dartmouth, Radcliffe, and Harvard, its purpose was to train young leaders to expand the 7-year-old CCC from a program for unemployed youth into a work service program that would accept volunteers from all walks of life.”,  The entrance of the United States intoWorld War II in 1941 ended this and all other CCC programs because men were needed in the armed services and women became a greater part of the workforce. This concept anticipated the Peace Corps by more than two decades.

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Book cover forMultiformity of Man[17]

Book cover for Out of Revolution Rosenstock-Hu...

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Book cover for Out of Revolution[16]

Book cover for The Origin of Speech Rosenstock...

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Book cover for The Origin of Speech[18]

Rosenstock-Huessy published Out of Revolution: Autobiography of Western Man[16] in 1938, an English-language revision of his earlier book on revolutions. Together with George Allen Morgan, he published The Christian Future or the Modern Mind Outrun in 1946.[4] In Out of Revolution, Rosenstock-Huessy wrote[16]:

The present time is bound (…) to attempt an organization of future society by which the dynamite of revolution may be manipulated as persistently and consciously as contractors use real dynamite in building tunnels or roads.

During 1956 through 1958, Rosenstock-Huessy developed the principle of metanomics in his two-volume Soziologie (Sociology)—Volume I: On the Forces of Common Life (When Space Governs) and Volume II:On the Forces of History (When the Times Are Obeyed). During 1963 through 1964, he further developed this principle in Volumes I & II of, Die Sprache des Menschengeschlechts: Eine Leibhaftige Grammatik in Vier Teilen (The Speech of Mankind: A Personal Grammar in Four Parts). Whereas Soziologie is unavailable in English, Rosenstock-Huessy’s Speech and Reality is an English-language introduction to that work.[23] A collection of his writings, I Am an Impure Thinker offers a good overview of Rosenstock-Huessy’s thought processes.

Rosenstock-Huessy’s wife, Margrit, died in 1959. In 1960, Freya von Moltke became Rosenstock-Huessy’s companion. She is the widow of Helmuth James von Moltke, who had opposed National Socialism and was executed.

After World War II and continuing through his retirement from Dartmouth, Rosenstock-Huessy was a frequent guest professor at many universities in Germany and the United States. He remained active in lecturing and writing until his final years. His output comprises more than 500 essays, articles, and monographs, as well as 40 books. He was awarded an honorary doctoral degree in 1958 at the University of Münster. Rosenstock-Huessy died on February 24, 1973.

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