Michail Borissowitsch Chodorkowski

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Komsomol on construction of cities, 1958 USSR stamp to the 40th anniversary of VLKSM (Photo credit: Wikipedia)

Michail Borissowitsch Chodorkowski – Михаил Борисович Ходорковский, * 26. Juni 1963 in Moskau, ist ein jüdischer Unternehmer und Oligarch . Als ehemaliger Vorstandsvorsitzender des heute insolventen Ölkonzerns Jukos. Seit Oktober 2003 – und voraussichtlich bis ins Jahr 2016 – befindet er sich in Haft.

Michail Chodorkowski ist in zweiter Ehe verheiratet und hat vier Kinder.

Der Khasarenjude Michail Chodorkowski wurde im Oktober 2003 in Nowosibirsk verhaftet. Nach einem ersten Prozeß wurde Michail Chodorkowski im Mai 2005 in Moskau wegen Steuerhinterziehung und planmäßigen Betrugs zunächst zu neun, in einem Revisionsverfahren zu acht Jahren Haft verurteilt. Von Oktober 2005 an war Michail Chodorkowski im Straflager in Krasnokamensk im Länderdreieck Rußland-China-Mongolei untergebracht, bis er im Dezember 2006 in ein Untersuchungsgefängnis nach Tschita verlegt wurde. Im Februar 2009 wurde Michail Chodorkowski nach Moskau überstellt, wo er erneut angeklagt und im Dezember 2010 wegen Geldwäscherei und Unterschlagung verurteilt wurde. Seit Juni 2011 befindet sich Michail Chodorkowski in einem Straflager in Karelien.

Der Jude Michail Chodorkowski wurde am 26. Juni 1963 in Moskau als Sohn eines Chemikers und einer Chemikerin geboren. 1981 nahm er ein Chemiestudium am Chemisch-Technischen Mendelejew-Institut in Moskau auf und arbeitete während der Studienzeit parallel als Mitglied einer Brigade des Komsomol (der Jugendorganisation der KPdSU) in einem Moskauer Wohnungsbaukombinat.

Die angeklagten Max-und-Moritz-Juden Michail Chodorkowski und Platon Lebedew vor dem russischen Judengericht

Die angeklagten Max-und-Moritz-Juden Michail Chodorkowski und Platon Lebedew vor dem russischen Judengericht

1986 schloß Michail Chodorkowski die Hochschule als Diplomchemiker ab, 1988 den Studiengang als Volkswirt am Moskauer Plechanov-Institut. Von 1986 bis 1987 war er stellvertretender Komsomolsekretär des Mendelejew-Instituts.

Michail Gurevich

Michail Gurevich (Photo credit: Wikipedia)

Danach übernahm Michail Chodorkowski die Leitung des Zentrums für wissenschaftlich-technisches Schöpfertum der Jugendstiftung für Jugendinitiative (NTTM), eines auf marktwirtschaftlichen Prinzipien beruhenden Komsomol-Unternehmens. Die Gründung von NTTM war 1987 durch ein Gesetz möglich geworden, das privatwirtschaftliche Tätigkeit in Form von Genossenschaften zuließ.

Ursprünglich wollte Michail Chodorkowski in die Rüstungsindustrie eintreten, aber wegen seiner jüdischen Herkunft väterlicherseits konnte er sich diesen Wunsch nicht erfüllen.

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English: Soviet Union stamp, 1970, CPA #3897 Русский: Почтовая марка СССР, посвящённая XVI съезду ВЛКСМ. „Значок ВЛКСМ“ (1970, ЦФА #3897 Художник: А. Калашников, гpавюра на дереве, тираж (тыс.): 5000 (Photo credit: Wikipedia)

Michail Chodorkowski wurde stattdessen Funktionär in der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol. Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow erlaubte dieser Organisation als erster kapitalistische Experimente.

1989 übernahm Michail Chodorkowski den Vorsitz der Kommerziellen Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt, die mit dem Ziel gegründet wurde, Geldmittel für NTTM zu beschaffen. Sie war eine der ersten Privatbanken Rußlands.

1990 kaufte die Kommerzielle Innovationsbank dem Exekutivkomitee des Moskauer Sowjets die Firma NTTM ab und benannte sie in Menatep-Invest um.

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English: Präsident – first car from Kopřivnice (1897) (Photo credit: Wikipedia)

Michail Chodorkowski war nun Generaldirektor von Menatep und ab 1991 Vorstandsvorsitzender. In der Gründerphase nach dem Zerfall der Sowjetunion konnte die Menatep-Bank rasch an Bedeutung gewinnen, was Michail Chodorkowski wiederum zu politischen Beziehungen in Regierungskreisen und im Umfeld des ersten russischen Präsidenten Jelzin verhalf.

In Folge dessen wurde Michail Chodorkowski 1992 Mitglied im Beraterstab des russischen Premierministers und im März 1993 Stellvertretender Minister für Brennstoffe und Energie. 1993 bis 1994 war Michail Chodorkowski auch Mitglied des Rats für Industriepolitik bei der russischen Regierung, Ende 1993 beteiligte Michail Chodorkowski sich an der Finanzierung und Organisation des Wahlkampfes für Präsident Jelzin während der Parlamentswahlen.

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English: Restaurant „Paris-Moskau“ in Berlin built in 1898. Deutsch: Restaurant „Paris-Moskau“, Alt-Moabit 141, Berlin. Es wurde 1898 gebaut und überstand als eines der wenigen Gebäude der Umgebung den Zweiten Weltkrieg. (Photo credit: Wikipedia)

Am 30. März 1995 nahm Michail Chodorkowski an der Kabinettssitzung teil, auf der erstmals das loans for shares-Programm vorgeschlagen wurde.

Im Rahmen dieses Privatisierungsprogramms wurden in der Folge einige große Erdölunternehmen privatisiert.

Die Menatep-Bank konnte bei den Auktionen 1995/1996 45 % der Aktien des Mineralölunternehmens Yukos in ihren Besitz bringen.

Replica of Benz engine in 1977 Präsident replica

Replica of Benz engine in 1977 Präsident replica (Photo credit: Wikipedia)

Die wichtigste Transaktion gelang der Menatep-Bank durch ihre Tochtergesellschaft zur Aktienverwaltung Rosprom im Jahr 1995: Unter Leitung des Juden Platon Lebedew sicherte sich die Rosprom in einer Privatisierungs-Pfandauktion die Aktienmehrheit des vertikal integrierten Ölunternehmens Jukos für 309 Millionen Dollar und damit weit unter dem Marktwert des Unternehmens.

Da die Menatep-Bank schon vorher die Hausbank von Jukos war und auch die Auktion selbst durchführte, hatte sie die besten Startbedingungen für den Erwerb der Aktien. Einwände unterlegener Bieter blieben unberücksichtigt.

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Bundesarchiv Bild 183-1989-1007-433, Berlin, Verabschiedung Michail Gorbatschow (Photo credit: Wikipedia)

Im April 1996 gab Michail Chodorkowski den Vorstandsvorsitz der Bank Menatep ab und wechselte in die Führung von Jukos, dem damals zweitgrößten russischen Ölkonzern.

Bei den Präsidentenwahlen 1996 setzte sich Michail Chodorkowski gemeinsam mit anderen Großunternehmern massiv für die Wiederwahl Jelzins ein.

Im Oktober 1996 wurde Michail Chodorkowski Mitglied des Konsultativrats für Bankwesen bei der russischen Regierung.

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Bundesarchiv Bild 183-1988-0929-418, Moskau, 1-Megabit-Speicherschaltkreis (Photo credit: Wikipedia)

Als sich Rosprom und Jukos 1997 zu einer Holding vereinigten, übernahm Chodorkowski deren Führung als Vorstandsvorsitzender. Eine weitere Fusion mit dem Ölkonzern Sibneft scheiterte 1998.

Im November 1998 wurde Michail Chodorkowski zum Mitglied des Kollegiums des Energieministeriums berufen. Mit letzterem, das die Verteilung der Erdölexportquote neu regelte, geriet Michail Chodorkowski jedoch im Oktober 1999 in Konflikt.

Nachdem Michail Chodorkowski in der Zeitung Wedomosti erklärt hatte, daß die Bildung eines Reservefonds für die Erdölexportquote den Diebstahl fördere und es auch erlaube, Exportrechte ohne Kontrolle zu verteilen, verklagte ihn das Ministerium wegen Beleidigung.

Moscow, Church of the Resurrection of Christ a...

Moscow, Church of the Resurrection of Christ at Nikitsky Monastery. 1861-1868 by Michail Bykovsky, demolished in 1933. Русский: Москва, Воскресенская церковь Никитского монастыря. 1861-1868, архитектор: М. Д. Быковский, в 1933 взорвана. (Photo credit: Wikipedia)

Als Yukos-Vorstandsvorsitzender sorgte Michail Chodorkowski, der die Rubel-Krise von 1998 überstanden hatte, für größere Transparenz bei Jukos und legte die Anteilseigner offen.

Michail Chodorkowski führte westliche Standards bei der Buchführung ein und erklärte „Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortung“ zum Leitmotiv. Durch diese Reformen reduzierte er die Produktionskosten um zwei Drittel und erreichte damit eine niedrigere Kosten-pro-Barrel-Quote als alle anderen russischen Ölfirmen.

Bald darauf galt Michail Chodorkowski als reichster Mann Rußlands.

Jukos wurde unter Michail Chodorkowski zu einem der führenden russischen Rohstoffunternehmen. Michail Chodorkowski setzte zunehmend auf Corporate Governance, forderte das russische Unternehmertum auf, mehr Verantwortung zu übernehmen, und finanzierte auch soziale Vorhaben.

Michail Borissowitsch Chodorkowski während eines Empfangs bei Putin, März 2002

Michail Borissowitsch Chodorkowski während eines Empfangs bei Putin, März 2002

Mit der Zeit engagierte sich Michail Chodorkowski zunehmend in der russischen Innenpolitik. Er finanzierte Oppositionsparteien, wie 1999 zur Wahl der Duma die liberale Partei Jabloko, aber auch die Kommunistische Partei.

Schließlich verdächtigte Michail Chodorkowski den Kreml öffentlich der Korruption. Immer deutlicher stilisierte sich Michail Chodorkowski selbst als Mann des Westens.

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English: Monument to Courage, Firmness and Faithfulness of members of the Komsomol in Sevastopol. It is one of the monuments of the Great Patriotic War. Built in October 1963 using means collected by members of the Komsomol of Sevastopol. Sculptor Stanislav Chizh, architect V.I.Fomin. (Photo credit: Wikipedia)

Michail Chodorkowski versuchte, US-Unternehmen an Jukos zu beteiligen: So führte Michail Chodorkowski Verhandlungen mit den US-Ölkonzernen ExxonMobil und Chevron Texas über eine mögliche Beteiligung. 2002/2003 erreichte Michail Chodorkowski erneut eine Steigerung der Förderungsleistungen von Jukos und brachte nun die Fusion mit Sibneft zustande.

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This image was selected as a picture of the day on the Ossetian Wikipedia for 9th of November 2009. (Photo credit: Wikipedia)

Im Vorfeld der Ermittlungen gegen Jukos hatte Michail Chodorkowski als vermutlich reichster Mann Rußlands angesichts der bevorstehenden Duma- und Präsidentenwahlen mehrfach verkündet, daß er nicht nur Parlamente, sondern auch Wahlergebnisse kaufen könne.

1966 Soviet Union stamp dedicated to Komsomol

1966 Soviet Union stamp dedicated to Komsomol (Photo credit: Wikipedia)

Am 25. Oktober 2003 wurde Michail Chodorkowski bei einem Zwischenstopp mit seinem Privatjet in Nowosibirsk festgenommen und in Moskau inhaftiert. Wenig später erging ein Haftbefehl, wonach Michail Chodorkowski durch Unterschlagung und Steuerhinterziehung am russischen Staat einen Gesamtschaden in Höhe von über einer Milliarde Dollar verursacht haben soll.

70th anniversary of VLKSM badge

70th anniversary of VLKSM badge (Photo credit: Wikipedia)

In westlichen Medien wurde seine Verhaftung jedoch weniger mit Steuerhinterziehung als mit seinem pro-westlichen politischen Engagement in Verbindung gebracht. So sei Michail Chodorkowski in Konflikt mit der Regierung unter Präsident Wladimir Putin geraten.

Wladimir Putin hatte den Oligarchen zwar mehr oder weniger offiziell zugesichert, daß ihre zurückliegenden Gesetzesüberschreitungen während der „Raubritterphase“ der Jelzin-Ära nicht verfolgt würden – aber nur, wenn sie die politischen Interessen Rußlands vertreten.

Der Staatsanwalt forderte in der Folge eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Neun Jahre Haft in einem Straflager für Michail Chodorkowski und seinen jüdischen Geschäftspartner Platon Lebedew. So lautete im Mai 2005 das Urteil des Gerichts unter anderem wegen schweren Betruges und Steuerhinterziehung. Ein Revisionsgericht reduzierte im September 2005 die Strafe auf acht Jahre Haft.

Bereits 2004 hatten Michail Chodorkowskis Anwälte eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereicht. Sie richtete sich gegen Details wie Chodorkowskis Festnahme ohne Haftbefehl oder die nur 85 Zentimeter hohe Trennwand der Toilette in der Untersuchungszelle, die er sich mit vier anderen Häftlingen teilen musste. Aber vor allem warf sie dem Staat vor, er habe aus politischen Motiven mit Michail Chodorkowski abrechnen wollen. Die vom Gerichtshof fast in vollem Umfang zugelassene Beschwerde war teilweise im Zusammenhang mit der Festnahme, der Untersuchungshaft und deren gerichtlicher Prüfung erfolgreich, weil in verschiedenem Umfang das Verbot erniedrigender Behandlung und das Recht auf Freiheit verletzt worden seien; den Mißbrauch des Strafverfahrens zu politischen Zwecken verneinte der Gerichtshof in seinem Urteil von Ende Mai 2011. Michail Chodorkowski erhält Schadenersatz von 10.000 Euro und Prozeßkostenerstattung von 14.500 Euro. Russland kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Nach seiner Verurteilung wurde Michail Chodorkowski im Oktober 2005 in das Straflager JaG 14/10 in Krasnokamensk, im östlichen Länderdreieck Rußland-China-Mongolei, in Sibirien inhaftiert. Im Dezember 2006 wurde er in ein Untersuchungsgefängnis nach Tschita verlegt.

Chodorkowski trat Ende Januar/Anfang Februar 2008 in einen Hungerstreik, der nach elf Tagen am 8. Februar 2008 sein Ziel erreichte, dem schwer kranken Untersuchungshäftling Wassili Alexanjan, der zuletzt im Jukos-Vorstand Vizevorsitzender Chodorkowskis gewesen war, die nötige medizinische Behandlung zu verschaffen. Alexanjan verstarb im Oktober 2011 40jährig, drei Jahre nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Anträge Michail Chodorkowskis auf vorzeitige Entlassung lehnten die Gerichte im August und Oktober 2008 ab.

Im Februar 2009 wurde Michail Chodorkowski von seinem Gefängnis in Sibirien nach Moskau gebracht, um sich weiteren Prozessen zu stellen.

Eine der Klagen – eingereicht von seinem ehemaligen Zellengenossen Alexander Kutschma wegen sexueller Belästigung – lehnte ein Moskauer Stadtgericht jedoch ab.

Im zweiten Verfahren, das Anfang März 2009 begann, warf die Staatsanwaltschaft Chodorkowski und erneut auch dem Juden Platon Leonidowitsch Lebedew vor, in den Jahren 1998 bis 2003 Einnahmen von umgerechnet rund 20 Milliarden Euro unterschlagen zu haben. Das Moskauer Chamowniki-Gericht sprach die beiden im Dezember 2010 wegen Unterschlagung von 218 Millionen Tonnen Öl und Geldwäscherei schuldig. Sie wurden zu je sechs weiteren Jahren Haft verurteilt. Die Verteidigung hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Der Prozeß gegen Chodorkowski und Platon Leonidowitsch Lebedew sowie das Urteil riefen laute internationale Kritik hervor.

Anfang Februar 2011 hat Rußlands Präsident Dmitri Medwedew juristische Expertenprüfungen für verschiedene Fälle, die in der Öffentlichkeit ein starkes Echo ausgelöst hatten, angekündigt. Darunter befindet sich auch das umstrittene zweite Urteil gegen Michail Chodorkowski. Ein vom Kreml eingesetztes Gremium für die Förderung der Menschenrechte und Bürgergesellschaft wird ein Gutachten nach dem Inkrafttreten des Urteils zum kritisierten Verfahren erstellen.

Am 14. Februar 2011 sorgte ein Interview für Aufsehen. Natalja Wasiljewa, eine Assistentin des Richters Wiktor Danilkin, die während des Prozesses als Gerichtssprecherin diente, behauptete, Wiktor Danilkin sei das Urteil von den russischen Behörden aufgezwungen worden. Wasiljewa zufolge entsprach das von Wiktor Danilkin am Stadtgericht vorbereitete Urteil nicht den Erwartungen. Deshalb sei ihm vom Moskauer Zentralgericht ein anderes Urteil vorgelegt worden, das er habe verlesen müssen. Natalja Wasiljewa schildert im Interview detailliert, wie die politische Einflußnahme ausgesehen haben soll. Richter Wiktor Danilkin bezeichnete die Äußerungen als Verleumdung. Das Moskauer Stadtgericht wies die Vorwürfe, das Urteil stamme nicht von Wiktor Danilkin, zurück. Natalja Wasiljewas Kommentare seien nichts anderes als eine Provokation.

Bereits im Vorfeld der Urteilsverkündung hatte eine Äußerung von Ministerpräsident Wladimir Putin für Wirbel gesorgt. Am 16. Dezember 2010, bevor das Urteil gesprochen wurde, sagte Wladimir Putin in der Fragestunde einer Fernsehsendung, es sei davon auszugehen, daß „die Verbrechen von Herrn Chodorkowski vor dem Gericht bewiesen wurden“. „Jeder Dieb muß ins Gefängnis“, sagte Wladimir Putin.

Putin verwies darauf, daß der jüdische Milliardenbetrüger Bernard Madoff in den USA für „ähnliche Verbrechen zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt“ worden sei. Da sei die russische Justiz, die gegen Michail Chodorkowski 14 Jahre fordere, „sehr viel liberaler“.

Chodorkowskis Anwalt Juri Schmidt kritisierte die „direkte Einmischung“ Putins in den Prozeß, durch die Druck auf den Richter ausgeübt werde. „Das ist nach Artikel 17 der europäischen Menschenrechtskonvention verboten“, sagte Schmidt und kündigte an, dies in einer Klage vor dem europäischen Menschenrechtsgerichtshof vorzubringen, sollte Michail Chodorkowski verurteilt werden.

Rußlands Präsident Dmitri Medwedew kritisierte Putin für dessen Äußerungen am Fernsehen indirekt: „Weder der Präsident noch ein anderer Beamter hat das Recht, seine Position in diesem Fall oder irgendeinem anderen Verfahren vor dem Urteilsspruch wiederzugeben.“

Am 24. Mai 2011 bestätigte ein Moskauer Berufungsgericht das Urteil der Vorinstanz, reduzierte aber die Gesamtstrafe um je ein Jahr. Somit müssen die beiden Max-und-Moritz-Juden Michail Chodorkowski und Platon Lebedew voraussichtlich bis 2016 in Haft bleiben. Als Begründung für die Reduktion der Strafe ging das Gericht von einer weit kleineren Menge Öl aus, die unterschlagen worden war. Die Anwälte der Verurteilten kündigten an, als nächste Instanz den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg anrufen zu wollen.

Amnesty International erklärte die beiden Juden Michail Chodorkowski und Platon Leonidowitsch Lebedew nach Abschluß des Berufungsverfahrens zu politischen Gefangenen (prisoners of conscience).

Ende Mai 2011 stellten die beiden Juden Michail Chodorkowski und Platon Leonidowitsch Lebedew einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung mit der Begründung, sie hätten mehr als die Hälfte ihrer Haftstrafe verbüßt. Dieser Antrag wurde als formell unzureichend abgelehnt, worauf die beiden Inhaftierten einen zweiten einreichten. Noch bevor darüber entschieden wurde, wurde Chodorkowski ins Straflager Nummer 7 im Kreis Segescha in der russischen Teilrepublik Karelien verlegt.

An den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2011 wurde der Dokumentarfilm Khodorkovsky von Cyril Tuschi erstmals gezeigt. Der deutsche Regisseur mit russischen Vorfahren hatte fünf Jahre an diesem Porträt über Michail Chodorkowski gearbeitet und in Gesprächen mit mehr als 70 Zeitzeugen 180 Stunden Interviewmaterial gesammelt. Nach Tuschis Angaben kostete der Film 400.000 Euro und wurde durch verschiedene staatliche Filmförderungen und durch den Bayerischen Rundfunk finanziert. Als Höhepunkt des Film gilt ein Interview mit Michail Chodorkowski, das Tuschi am Rande der Gerichtsverhandlung führen konnte. Noch vor der Premiere sorgte der Film für Schlagzeilen, da in Tuschis Berliner Produktionsräumen eingebrochen wurde und vier Computer mit der Endfassung des Films gestohlen wurden. Schon zuvor, Anfang Januar 2011, hatten nach Angaben von Tuschi Unbekannte eine Festplatte mit Teilen des Dokumentarfilms in Bali entwendet.

2004 schätzte das Wirtschaftsmagazin Forbes Magazine das Vermögen von Chodorkowski auf 15,2 Milliarden US-Dollar. Damit war er auf Platz 16 der reichsten Menschen auf der Welt und die reichste Person in Rußland.

Der estnische Komponist Arvo Pärt widmete Chodorkowski im Jahr 2008 seine Sinfonie Nr. 4 Los Angeles. Bei der jüdisch-estnischen Post kann man seit 2011 eine Briefmarke bestellen, die beiden Juden Michail Chodorkowski  und Platon Lebedew zeigt.

Seit Ende August 2011 hat Michail Chodorkowski in der Oppositionszeitung The New Times eine eigene Kolumne.

Auszeichnungen

  • 2010: Globus-Literaturpreis der russischen Zeitschrift Snamja. Damit wird der Briefwechsel zwischen dem inhaftierten Chodorkowski und der Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja gewürdigt. Eine deutsche Übersetzung erschien in der Zeitschrift Osteuropa (1/2010)[2]

Werke

  • Articles. Dialogues. Interviews by Mikhail Khodorkovsky.[47] Eksmo Publishing House, Moskau 2010.
  • Briefe aus dem Gefängnis.[48] Aus dem Russischen von Birgit Veit und Ganna-Maria Braungardt, mit einem Essay von Erich Follath. Knaus, München 2011, ISBN 978-3-8135-0449-1(Leseprobe)

Literatur

  • Literatur von und über Michail Borissowitsch Chodorkowski im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Lane, David und Seifulmulukov, Iskander: „Structure and Ownership“. In: Lane, David (Hrsg.): The Political Economy of Russian Oil. Lanham, ML, (1999): 15–45.
  • Krjukov, Valerij A. und Moe, Arild: „Banks and the Financial Sector“. In: Lane, David (Hrsg.): The Political Economy of Russian Oil. Lanham, ML, (1999): 47–74.
  • Westphal, Kirsten: Russische Energiepolitik. Ent- oder Neuverflechtung von Staat und Wirtschaft?. Baden-Baden, 2000.
  • Heiko Pleines und Hans-Henning Schröder (Herausgeber): Die Jukos-Affäre – Russlands Energiewirtschaft und die Politik. Arbeitspapiere und Materialien Nr. 64 der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, Juni 2005, zweite, aktualisierte Auflage; ISSN 1616-7384]; Druckfassung: 4  Euro + Porto; Online (PDF-Datei)
  • Angela Rustemeyer: Putins Oligarchenfeldzug und Russlands Demokratie; die JUKOS-Affäre und ihr Umfeld in den Augen der politisch liberalen Opposition und der Bevölkerung. Friedrich-Ebert-Stiftung, 2004. ISBN 3-89892-319-3Online (PDF-Datei, 234 kB)
  • „Putin and the Oligarchs“ In: Foreign Affairs, November/December 2004 von Marshall I. Goldman
  • Waleri W. Panjuschkin: Michail Chodorkowski. Vom Jukos-Chefsessel ins sibirische Arbeitslager. Aufstieg und Fall des russischen Ölmilliardärs. Aus dem Russischen von Vera Baumgartner. Heyne Verlag, München 2006, ISBN 3-453-64028-4
  • Gernot ErlerDer Fall Chodorkowskij. Zur Tomographie eines politischen Konflikts. Beitrag für Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze (Hrsg.): Wohin steuert Russland unter Putin? – Der autoritäre Weg in die Demokratie. Campus, Frankfurt am Main, New York 2004, ISBN 3-593-37585-0

5 Gedanken zu “Michail Borissowitsch Chodorkowski

  1. Recht hat er, der Putin! Chodorkowski ist ein Betrüger und Dieb! Sich mit der Opposition zu schmücken sieht dem russischen Wendehals ähnlich. Chodorkowski würde Negern auch ein Solarium verkaufen!

Lesen Sie KARL MARX - Zur Judenfrage... und Sie werden staunen, was ein Jude über die Juden so schreibt...

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