Die russischen Oligarchen

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Die russischen Oligarchen

Siehe auch: Neuer Russe

Die russischen Oligarchen sind Unternehmer, die während Gorbatschows Periode der Marktliberalisierung ihre Geschäfte begannen. Es wird allgemein angenommen, dass es in Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zwei Generationen von Wirtschaftsoligarchen gegeben hat: Die Jelzin-Oligarchen und die Putin-Oligarchen.

Oligarchen der Ära Jelzin

Gegen Ende der Zeit der Sowjetunion, während Michail Gorbatschows Perestroika, schmuggelten einige russische Geschäftsleute Waren wie PCs und Jeans ins Land und verkauften sie mit hohem Gewinn auf dem Schwarzmarkt. In den 1990er Jahren, zu Boris Jelzins Amtszeit, während Russlands Übergang zu einer Marktwirtschaft, erschienen die Oligarchen auf der Bildfläche: gut vernetzte Unternehmer, die mit fast nichts begannen und reich wurden durch Marktaktivitäten und durch ihre Verbindungen mit der korrupten, wenn auch demokratisch gewählten russischen Regierung.

Die Oligarchen wurden in der russischen Öffentlichkeit äußerst unbeliebt und werden allgemein für die Verursacher des Wirtschaftschaos gehalten, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion herrschte.

The Guardian beschrieb die Oligarchen als „bei den durchschnittlichen Russen ungefähr so unbeliebt wie jemand, der zum Vergnügen auf dem Gehsteig vor einem Waisenhaus 50-Pfund-Scheine verbrennt“.

Während Jelzins Präsidentschaft erlangten die Oligarchen zunehmenden Einfluss in der Politik und spielten eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung von Jelzins Wiederwahl 1996. Mit Hilfe von Insiderwissen über die finanziellen Entscheidungen der Regierung fiel es den Oligarchen leicht, ihren Besitz weiter zu vergrößern. Die russische Finanzkrise von 1998 traf jedoch einige der Oligarchen hart, und diejenigen, deren Vermögen auf Bankgeschäften beruhte, verloren den größten Teil davon.

Die einflussreichsten und öffentlich am meisten präsenten Oligarchen der Ära Jelzin sind

Von ihnen ist Potanin der einzige, der sich in die Ära Putin hinübergerettet hat. Die anderen wurden laut einem Bericht von The Guardian durch den Kreml entmachtet.

Oligarchen der Ära Putin

Während der Regierungszeit von Wladimir Putin sind andere Oligarchen wegen verschiedener illegaler Tätigkeiten unter Beschuss geraten, insbesondere wegen Steuerhinterziehung. Es wird allerdings vielfach angenommen, daß die Vorwürfe politisch motiviert seien und die Wirtschaftsmagnaten die Gunst des Kreml verloren haben. Wladimir Gussinski (Media-Most) und Boris Beresowski entkamen der Justiz, indem sie Russland verließen. Der bekannteste von ihnen, Michail Chodorkowski (Yukos), wurde im Oktober 2003 festgenommen und zu neun Jahren Haft verurteilt.

Der Milliardär, Philanthrop und Kunstmäzen Alexander Lebedew kritisierte die Oligarchen:

„Ich denke, daß materieller Reichtum für sie eine sehr emotionale und geistige Sache ist. Sie geben eine Menge ihres Geldes für persönlichen Konsum aus.“ Er beschreibt sie als eine Schar von kulturlosen Ungebildeten: „Sie lesen keine Bücher. Sie haben keine Zeit. Sie gehen zu keinen Ausstellungen. Sie denken, der einzige Weg, andere zu beeindrucken, sei, indem man eine Yacht kauft.“ Außerdem stellt Lebedew fest, daß die Oligarchen an sozialen Ungerechtigkeiten desinteressiert sind. Einige von ihnen hätten nun infolge der weltweiten Wirtschafts- und Kreditkrise von 2008 nur noch einige hundert Millionen Dollar übrig, und seien damit nach den Maßstäben der Superreichen im Armenviertel angekommen.

Iwan Rybkin, der frühere Sprecher der Staatsduma, hat behauptet, Präsident Wladimir Putin sei Milliardär und „der größte Oligarch in Russland“. Russische Offizielle widersprachen Rybkins Auffassung und sagten, er habe für seine Anschuldigungen keinerlei Nachweis geführt.

Putin selbst ist mit folgender Aussage auf einer Pressekonferenz am 14. Februar 2008 zitiert worden:

„Das ist wahr. Ich bin der reichste Mensch nicht nur in Europa, sondern weltweit. Ich sammle Gefühle. Und reich bin ich in der Hinsicht, daß das russische Volk mir zweimal die Führung eines so großen Landes wie Russland anvertraut hat. Das betrachte ich als meinen größten Besitz. Was die Gerüchte über meinen finanziellen Reichtum angeht, so habe ich einige Schriftstücke darüber gesehen. Das ist reines Geschwätz, nicht diskutierenswert, einfach Quatsch. Das haben sie aus der Nase gebohrt und auf ihrem Papier verschmiert. So sehe ich das.“

Manche Beobachter glauben, daß Putin eine staatlich gelenkte Wirtschaft errichtet hat, um die Imperien der Oligarchen der Jelzin-Ära zu demontieren. Die texanische Business-Intelligence-Unternehmung STRATFOR vertrat diese Sichtweise. Zu diesem Zweck positionierte Putin einige der vertrauensswürdigsten und nützlichsten Oligarchen direkt unter sich selbst im Kreml.

Zu den bedeutendsten Oligarchen der Ära Putin gehören

nach wie vor

Globale Rezession und Kreditkrise von 2008

Seit Juli 2008 haben die reichsten 25 Russen, laut Auskunft von Bloomberg L.P., zusammengenommen 230 Milliarden Dollar verloren. Der Abstieg der Oligarchen ist eng verbunden mit dem Einbruch am russischen Aktienmarkt, wo der RTS-Index infolge der Kapitalflucht nach dem Kaukasus-Konflikt 2008 um 71 % fiel.

Milliardäre in Russland und der Ukraine wurden besonders schwer von Gläubigern getroffen, die, um ihre Bilanzen aufzubessern, die Rückzahlung von Ballon-Krediten forderten. Viele Oligarchen hatten bei russischen Banken hohe Kredite aufgenommen, davon Aktien gekauft und diese als Sicherheiten verwendet, um bei westlichen Banken weitere Kredite zu erhalten.

Einer der Ersten, die von dem globalen Abschwung getroffen wurden, war Oleg Deripaska, zu dieser Zeit der reichste Mensch Russlands, dessen Nettovermögen im März 2008 28 Milliarden Dollar betrug. Als Deripaska von westlichen Banken Geld lieh, das er mit seinen Firmenbeteiligungen absicherte, zwang ihn der Fall der Aktien, Anteile zu verkaufen, um Nachschussforderungen zu begleichen.

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